Selbst OpenAI-Chef Sam Altman räumt inzwischen ein, das Tempo der KI-bedingten Disruption auf dem Arbeitsmarkt überschätzt zu haben. Wir haben über Kreativarbeit, Kompetenz und die Frage, worauf es für Kreativschaffende und Unternehmen jetzt ankommt, mit der Kulturjournalistin und Medienwissenschaftlerin Dr. Marie Elisabeth Müller gesprochen.
Kaum eine technologische Entwicklung wird so zuverlässig falsch vorhergesagt wie die Künstliche Intelligenz. Das „Archive of Incorrect AI Predictions“ dokumentiert 36 Vorhersagen zu KI-Durchbrüchen und Arbeitsmarkt-Disruption, die seit 1958 gemacht wurden – und verspätet oder bis heute nicht eingetroffen sind. Erst im August 2026 räumte OpenAI-Chef Sam Altman im Podcast Founders ein, das Tempo der wirtschaftlichen KI-Disruption überschätzt zu haben. Nach der Veröffentlichung von GPT-4 habe er erwartet, dass sehr schnell deutlich mehr Softwareunternehmen unter Druck geraten würden. Doch die Wirtschaft habe „so much inertia“: Menschen machten weiter wie bisher, kauften bei denselben Unternehmen und nutzten ihre gewohnten Werkzeuge weiterhin auf dieselbe Weise. Gesellschaft und Wirtschaft, so Altmans Fazit, passten sich langsamer an die neue Technologie an als erwartet.
Für Kreativschaffende, die um ihre berufliche Zukunft fürchten, ist das eine relevante Korrektur – aber keine Entwarnung. „Bestimmte Tätigkeiten werden tatsächlich automatisiert, und manche Geschäftsmodelle werden verschwinden. Weiterbildung darf diese Risiken nicht kleinreden“, sagt Dr. Marie Elisabeth Müller, Kulturjournalistin, promovierte Medienwissenschaftlerin und Dozentin am Karlshochschule Management Institut (KHMI). Die frühere SWR-Redakteurin lehrte u. a. an der Universität der Künste Berlin, der Hochschule der Medien Stuttgart und der Syracuse University in den USA. Entscheidend sei jedoch eine Unterscheidung, die in der öffentlichen Debatte oft verloren geht.
„Ich würde sehr genau unterscheiden zwischen einer Tätigkeit und einer Kompetenz. Wenn jemand seit zehn Jahren fotografiert, besteht seine Kompetenz nicht darin, auf einen Auslöser zu drücken – er kann Licht lesen, Menschen beobachten, eine visuelle Geschichte erzählen. Die entscheidende Frage lautet: Was kann jemand bereits – und welche neuen Fähigkeiten lassen sich mit KI daran anbauen?“
Für Unternehmen mit Kreativ- und Marketingteams hat diese Unterscheidung eine direkte strategische Konsequenz. KI mache aus einem mittelmäßigen Team nicht automatisch ein hervorragendes, warnt Müller – sie könne auch Mittelmäßigkeit lediglich schneller produzieren. Statt zuerst nach Tools zu fragen, sollten Unternehmen klären, welche Fähigkeiten im Team vorhanden sind, welche fehlen und wer am Ende für ein Ergebnis verantwortlich bleibt.
Weiterbildung, die bei vorhandenen Fähigkeiten ansetzt
Statt bei null anzufangen, bauen die KHMI-Fachrichtungen „KI für Content Creation & Marketing“ (K1) und „KI-gestützte Medienproduktion & Design“ (K2) gezielt auf vorhandenen Kompetenzen auf – Recherche, Storytelling, visuelles Denken, Markenverständnis – und ergänzen sie um den praktischen und verantwortungsvollen Umgang mit KI-Werkzeugen. Die Module richten sich sowohl an Berufserfahrene, die sich weiterentwickeln wollen, als auch an Menschen im beruflichen Übergang. Kursstart: 22. September 2026, vollständig über den Bildungsgutschein (BGS) förderbar.
KI für Content Creation & Marketing (K1)
KI-gestützte Medienproduktion & Design (K2)
Für Journalist:innen: das vollständige Interview
Dieser Fachbeitrag fasst zentrale Thesen aus einem ausführlichen Gespräch mit Dr. Marie Elisabeth Müller zusammen. Die vollständige, ungekürzte Fassung – inklusive ihrer Herleitung von der Fotografin bis zum Kochautomaten, der zwar rühren, aber nicht kochen kann – steht als Hintergrundmaterial im KHMI-Magazin zur Verfügung.
Zum vollständigen Interview im KHMI-Magazin
Über Dr. Marie Elisabeth Müller
Kulturjournalistin, Medienpraktikerin und Hochschullehrende – journalistisch beim SWR und wissenschaftlich in Düsseldorf, Tübingen und Konstanz ausgebildet, promoviert in Film- und Medienwissenschaft an der Universität Konstanz. Lehrtätigkeiten u. a. an der Universität der Künste Berlin, der Hochschule der Medien Stuttgart, der FOM Berlin, der Syracuse University (USA), der University of Nairobi (Kenia) sowie dem Asian College of Journalism (Indien). Dozentin am KHMI.
Quellen
The Archive of Incorrect AI Predictions (2026). 36 dokumentierte KI-Vorhersagen seit 1958. boyswhocriedai.lovable.app
Robertson, B. (2026, August 24). Sam Altman concedes he overestimated AI disruption speed, now pushes AGI forecast to end of 2028. Yahoo Finance. https://finance.yahoo.com/technology/ai/articles/sam-altman-concedes-overestimated-ai-213000863.html
Das Karlshochschule Management Institut (KHMI) ist ein An-Institut der Karlshochschule International University. Es bietet praxisorientierte KI-Weiterbildungen, die wissenschaftlich fundiert und zugleich unmittelbar anwendbar sind, für Menschen mit Berufserfahrung in Kreativberufen, Management und Technologie sowie für Unternehmen. Die Programme sind AZAV-zertifiziert und über einen Bildungsgutschein förderbar. Für abgeschlossene Module können im Rahmen der hochschulrechtlichen Vorgaben ECTS-Punkte vergeben und auf weiterführende Studiengänge angerechnet werden.
