Keramikerhandwerk legt 2025 um 12,4 Prozent zu: Der ZDH zählt zum Jahresende 2.520 Betriebe, während das Gesamthandwerk stagniert

Die Zahl der eingetragenen Keramikerbetriebe in Deutschland ist 2025 um 12,4 Prozent gestiegen. Das geht aus der Betriebsstatistik hervor, die der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) am 15. Juni 2026 mit Stichtag 31. Dezember 2025 vorgelegt hat. Damit wächst laut diesen Zahlen ein Gewerk zweistellig, in dem viele Werkstätten aus dem Hobby entstehen – oft mit den einfachen Aufbautechniken, wie sie die Schritt-für-Schritt-Anleitung für eine Keramikvase beschreibt. Im Gesamthandwerk stagnierten die Betriebszahlen im selben Jahr.

Wie sich der Betriebsbestand im Jahr 2025 verändert hat

Laut der Betriebsstatistik standen 468 Neueintragungen 189 Löschungen gegenüber. Der Bestand stieg damit von 2.241 Betrieben zu Jahresbeginn auf 2.520 Betriebe zum Stichtag. Innerhalb der zulassungsfreien Gewerke der Anlage B1 erreichten nur zwei Gewerke ein höheres prozentuales Plus: die Wachszieher mit 28,3 Prozent und die Graveure mit 14,2 Prozent.

Die Anlage B1 wuchs nach Angaben des Verbands insgesamt um 11.098 auf 286.223 Betriebe, ein Zuwachs von 4,0 Prozent. Das Gesamthandwerk kam zum 31. Dezember 2025 dagegen auf 1.038.126 eingetragene Betriebe und damit auf 128 weniger als zu Jahresbeginn.

Warum der Zuwachs überwiegend aus dem Nebenerwerb stammt

Der ZDH ordnet den Zuwachs in seiner Kommentierung selbst ein. Der überwiegende Teil der neu hinzugekommenen Betriebe in den drei wachstumsstärksten Gewerken wird nach seinen Angaben im Nebenerwerb betrieben und dürfte eher als Zusatz- denn als Haupterwerbsquelle dienen. Eine Eintragung in die Handwerksrolle sagt damit wenig über Umsatz oder Arbeitszeit aus.

Zwei Einschränkungen kommen hinzu. Die Statistik zählt Eintragungen in den Rollen und Verzeichnissen der Handwerkskammern, nicht Vollzeitstellen. Und sie unterscheidet nicht zwischen der Werkstatt mit Ladengeschäft und der Töpferscheibe im Kellerraum.

Welchen Anteil Inhaberinnen am Gewerk halten

Das Keramikerhandwerk gehört zu den Gewerken mit dem höchsten Frauenanteil. Nach Angaben des Zentralverbands wurden zum 31. Dezember 2025 dort 77,5 Prozent der Einzelunternehmen von Inhaberinnen geführt. Höher liegt der Anteil nur im Maßschneider- und im Wachszieherhandwerk mit 86,1 beziehungsweise 81,6 Prozent. Im Gesamthandwerk betrug der Anteil 22,0 Prozent.

Was die Ausbildungszahlen dem Betriebszuwachs entgegensetzen

Der Lehrlingsbestand entwickelt sich in die andere Richtung. Nach Angaben der ZDH-Lehrlingsstatistik lernten im Berichtsjahr 2025 bundesweit weniger junge Menschen den Keramikerberuf als im Jahr davor. Die Zahlen im Einzelnen:

51 Auszubildende insgesamt, davon 48 weiblich und drei männlich.

16 im ersten, 24 im zweiten und 11 im dritten Lehrjahr.

36 Ausbildungsstätten im gesamten Bundesgebiet.

Minus 5,6 Prozent gegenüber dem Berichtsjahr 2024.

Wer ohne Lehre startet, rüstet die Werkstatt Stück für Stück aus, angefangen bei Grundwerkzeugen wie ergonomischen Drahtschneidern für die Tonbearbeitung.

„Ein Gewerk, das im Bestand zweistellig wächst und in der Ausbildung schrumpft, gibt sein Wissen nicht mehr über die Lehre weiter. Das ist keine Randnotiz, sondern die Frage, wer in zehn Jahren noch eine Glasur reproduzierbar hinbekommt“, sagt Alexander Weipprecht, Geschäftsführer der Provimedia GmbH.

Was der Zuwachs für bestehende Werkstätten bedeutet

Für etablierte Töpfereien verändert sich mit dem Zuwachs vor allem das Umfeld auf Märkten und in Onlineshops. Mehr Anbieter bedeuten mehr Vergleichbarkeit bei Preisen für Gebrauchskeramik, während der Kostenblock aus Ton, Glasur und Brennstrom für alle gleich bleibt. Im September 2026 beginnt zugleich die Saison der Herbst- und Weihnachtsmärkte, auf denen sich dieser Zuwachs zuerst zeigt.

Ob sich die Entwicklung fortsetzt, beantwortet erst die nächste Betriebsstatistik. Der ZDH selbst rechnet für 2026 mit erneut leicht abnehmenden Betriebszahlen im Handwerk insgesamt, weil Impulse für das Gründungsgeschehen fehlen.

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