Abschluss nachholen, Karriere voranbringen: Was Externenprüfung und Teilqualifizierung möglich machen

Viele Menschen arbeiten seit Jahren zuverlässig in einem Berufsfeld, ohne den dazugehörigen Abschluss zu besitzen. Sie kennen die Abläufe, beherrschen die Aufgaben und tragen Verantwortung. Trotzdem stoßen sie bei Bewerbungen, Beförderungen und Gehaltsverhandlungen immer wieder an dieselbe Grenze: kein formaler Abschluss, keine Anerkennung. Das Berufsbildungsgesetz hält für diese Situation zwei Wege bereit, die in der öffentlichen Wahrnehmung kaum bekannt sind: die Externenprüfung und die Teilqualifizierung.

Was die Externenprüfung ist und wer sie ablegen kann 

Die Externenprüfung ermöglicht es, einen staatlich anerkannten Berufsabschluss zu erwerben, ohne zuvor eine klassische Ausbildung durchlaufen zu haben. Wer einschlägige Berufserfahrung nachweisen kann, wird von der zuständigen Kammer zur regulären Abschlussprüfung zugelassen und tritt damit unter denselben Bedingungen an wie alle anderen Prüflinge.

Die rechtliche Grundlage liefert § 45 des Berufsbildungsgesetzes. Danach reicht es aus, das Eineinhalbfache der regulären Ausbildungsdauer in dem entsprechenden Berufsfeld gearbeitet zu haben. Bei einem dreijährigen Ausbildungsberuf sind das viereinhalb Jahre Berufspraxis. In begründeten Einzelfällen können auch andere Nachweise, etwa Zeugnisse oder im Ausland erworbene Qualifikationen, als Zulassungsvoraussetzung anerkannt werden. Die Zulassungsstellen haben dabei einen gewissen Ermessensspielraum.

Warum Vorbereitung entscheidend ist 

Wer jahrelang praktisch gearbeitet hat, kennt die Abläufe, hat aber oft Lücken im theoretischen Prüfungsstoff. Das Bundesinstitut für Berufsbildung empfiehlt deshalb ausdrücklich den Besuch eines Vorbereitungskurses, um die Erfolgschancen deutlich zu erhöhen.

Das IBB bietet Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung in verschiedenen Berufsfeldern an, je nach Vorwissen in Varianten von 12 bis 48 Wochen. Die Kurse sind AZAV-zertifiziert und damit über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters vollständig förderbar. Wer die Voraussetzungen erfüllt, erhält während der Teilnahme zusätzlich Weiterbildungsgeld von 150 Euro monatlich.

Der zweite Weg: Teilqualifizierung Schritt für Schritt 

Wer den direkten Weg zur Externenprüfung noch nicht gehen kann oder möchte, findet in der Teilqualifizierung eine flexible Alternative. Bei der Teilqualifizierung wird ein anerkannter Ausbildungsberuf in einzelne Module aufgeteilt, die jeweils zwei bis sechs Monate dauern. Jedes bestandene Modul schließt mit einem anerkannten Zertifikat ab, das auf dem Arbeitsmarkt eigenständig verwertbar ist.

Wer alle Module eines Berufsbildes absolviert, hat damit den gesamten Ausbildungsrahmenplan abgedeckt und kann über eine anschließende Externenprüfung den vollständigen Berufsabschluss erwerben. Die Reihenfolge der Module ist dabei frei wählbar, eine Teilnahme in Teilzeit ist möglich. Das IBB führt Teilqualifizierungen nach dem bundesweit einheitlichen ETAPP-Standard durch, der vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wird und transparente, vergleichbare Qualitätsstandards sichert.

Für wen diese Wege gedacht sind 

Beide Angebote richten sich an Menschen über 25 Jahre ohne abgeschlossene Berufsausbildung oder mit einem fachfremden Abschluss. Berufstätige, die ihre Qualifikation neben dem Job erweitern wollen, profitieren vom modularen Aufbau. Und Arbeitgeber, die un- oder angelernte Mitarbeitende systematisch qualifizieren möchten, können die Kosten über das Qualifizierungschancengesetz fördern lassen.

Was ein Abschluss konkret verändert 

Ein nachgeholter Berufsabschluss verändert die Position auf dem Arbeitsmarkt, eröffnet Zugang zu Stellen, die einen formalen Abschluss voraussetzen, und legt die Grundlage für weitere Qualifizierungsschritte. Wer nach dem Berufsabschluss weitermachen möchte, kann etwa eine Fortbildung zum Fachwirt (IHK) oder zum Meister anschließen.

IBB begleitet den Weg zum Abschluss 

Das IBB Institut für Berufliche Bildung bietet an seinen bundesweiten Standorten sowohl Vorbereitungskurse auf die Externenprüfung als auch Teilqualifizierungen in zahlreichen Berufsfeldern an. IBB-Berater:innen klären gemeinsam mit Interessierten, welcher Weg zur individuellen Situation passt, welche Förderung infrage kommt und wie der erste Schritt konkret aussieht. Alle Informationen und die Möglichkeit zur Beratung gibt es auf www.ibb.com.