Trendwende zum Jahreswechsel bleibt aus

Die Unternehmen in der Region kämpfen sich nur langsam aus dem Tief. Zum Jahreswechsel hat sich das Stimmungsbild zwar leicht verbessert. Von einem Aufschwung kann aber weiter keine Rede sein. „Die Betriebe unternehmen alles, um mit der anhaltend schwierigen Situation klarzukommen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Das ist spürbar. Aber die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bremsen sie nach wie vor aus“, bewertet IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring die Ergebnisse der jüngsten IHK-Konjunkturumfrage.

Ist die Talsohle durchschritten? Zum dritten Mal in Folge bewerten die Unternehmen in der Region Heilbronn-Franken ihre wirtschaftliche Situation positiver als im Vorquartal. Zum Jahresende 2025 meldeten unverändert 26 Prozent der Betriebe eine gute Geschäftslage, aber nur noch 19 statt 24 Prozent eine schlechte Gesamtsituation. „Mehr als ein Hoffnungsschimmer ist das bisher nicht“, betont Elke Döring, die die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage für das vierte Quartal 2025 vorstellte: „Der Saldo der Lagebeurteilung liegt deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt. Auch beim Blick in die Zukunft überwiegt weiterhin die Skepsis.“

17 Prozent der Unternehmen erwarten eine bessere Entwicklung in den nächsten Monaten (Vorquartal 21 Prozent), während ein Fünftel (Vorquartal 23 Prozent) von einer Verschlechterung ausgeht. „Die Unternehmen trauen den wirtschaftspolitischen Ankündigungen nicht mehr. Das große Reformpaket wurde versprochen, aber nicht eingelöst. Steuern, Arbeits- und Energiekosten beschädigen die Wettbewerbsfähigkeit, die geopolitische Lage wird eher unübersichtlicher als einfacher, und eine verlässliche, zukunftsgerichtete wirtschaftspolitische Agenda ist weit und breit nicht in Sicht. Stattdessen Dauerstreit in der Koalition. Kein Wunder, dass die Betriebe misstrauisch bleiben“, sagt die IHK-Hauptgeschäftsführerin.

Laut Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken werden die hohen Arbeits- und Energiekosten, der Fachkräftemangel, aber auch die Wirtschaftspolitik als größte Geschäftsrisiken genannt. Am meisten Sorge bereitet den Unternehmen nach wie vor die schwache Inlandsnachfrage. Mehr als ein Viertel der befragten Betriebe will Stellen abbauen, Neueinstellungen planen lediglich elf Prozent.

Industrie: Während bundesweit das Auftragsplus in der Industrie – getrieben durch Großaufträge der Rüstungsindustrie – aktuell höher als erwartet ausfällt, zeichnet sich in der Region eine Stabilisierung auf niedrigem Niveau ab. Mehr als die Hälfte der Betriebe (51,5 Prozent) bezeichnet die Geschäftslage als befriedigend, zwei Drittel (66,5 Prozent) gehen davon aus, dass sich daran auch nichts ändern wird. 28 Prozent der Befragten melden eine gute Geschäftslage, 21 eine schlechte. Das sind leicht bessere Werte als im Vorquartal.

Entsprechend zurückhaltend ist die Investitionsbereitschaft. Lediglich 15 Prozent der Industrieunternehmen planen steigende Investitionen im Inland, während mehr als doppelt so viele (31 Prozent) ihre Investitionen zurückschrauben wollen. Immerhin ist das Exportgeschäft von vorsichtigem Optimismus geprägt. 21 Prozent der Unternehmen erwarten steigende Ausfuhren, 19 Prozent gehen von einem Rückgang im Auslandsgeschäft aus.

Baugewerbe: „Der Hoch- und Tiefbau in der Region erwartet positive Effekte durch das milliardenschwere Infrastrukturpaket des Bundes“, schätzt Elke Döring die Erwartungen im Baugewerbe ein. Das zeigt sich unter anderem in der Personalplanung: 19 Prozent der Unternehmen wollen Personal aufbauen, nur vier Prozent planen einen Stellenabbau. Im Vorquartal waren das noch 15 Prozent. Aktuell aber melden nur noch neun Prozent der Betriebe (30 Prozent im Vorquartal) steigende Auftragseingänge. 26 gegenüber 33 Prozent im Vorquartal mussten zum Jahreswechsel Rückgänge hinnehmen. 37 Prozent berichten dennoch von einem guten, 52 Prozent von eine befriedigenden Geschäftsverlauf. 

Handel: Die Handelswelt ist nach wie vor zweigeteilt. Während im Großhandel wieder weniger Betriebe über die wirtschaftliche Lage klagen, schlägt im Einzelhandel das überwiegend enttäuschende Weihnachtsgeschäft auf die Stimmung.

Zwar sprechen lediglich 23 Prozent der Großhändler (gegenüber 25 Prozent im Vorquartal) von guten Geschäften, schlecht läuft es aber auch nur noch bei rund 20 Prozent der Unternehmen. Die negativen Rückmeldungen lagen im Spätsommer noch bei 32 Prozent. Obwohl die Bestellungen im Großhandel weiter zurückhaltend ausfallen, blickt die Branche optimistischer in die Zukunft. 30 Prozent der Betriebe (Vorquartal 23 Prozent) rechnen mit einer besseren Entwicklung, 15 Prozent (39 im Vorquartal) sind skeptisch.

Im Einzelhandel wurden die Hoffnungen auf ein belebendes Weihnachtsgeschäft enttäuscht. 32 Prozent der Unternehmen sind mit dem Geschäft zum Jahreswechsel nicht zufrieden, rund 67 Prozent melden eine befriedigende oder gute wirtschaftliche Situation. Gut läuft es im Lebensmitteleinzelhandel, während der Absatz von Möbeln, Verlags-, Sport- und Geschenkartikeln schwächelt. Nach wie vor beobachten mehr als 70 Prozent der Händler ein zurückhaltendes Kaufverhalten.

Dienstleistungsgewerbe: Bei den Dienstleistern hat sich im letzten Quartal 2025 wenig verändert. Die Umsätze haben sich gegenüber dem Vorquartal kaum verbessert, die Auftragslage bleibt auf niedrigem Niveau stabil. Ein Viertel der Unternehmen bewertet die aktuelle Situation als gut, bei 17 Prozent laufen die Geschäfte schlecht. Die besten Geschäfte machen nach wie vor die ITK-Anbieter.

Hotels und Gaststätten: Das Hotel- und Gaststättengewerbe kann zum Jahresende noch nicht von der Senkung der Umsatzsteuer auf Speisen von 19 auf sieben Prozent profitieren. Entsprechend negativ fällt die Lageeinschätzung im letzten Quartal aus. Die Zahl der Betriebe, die von einer guten Geschäftslage berichten, fällt von 25 Prozent im Vorquartal auf 18 Prozent. Trotz der Steueranpassung bleibt ein Viertel der Unternehmen beim Blick in die Zukunft skeptisch. Zu sehr belasten zurückhaltende Ausgehbereitschaft, hohe Kosten und Fachkräftemangel die Branche.

„Das Jahr 2025 war für unsere Unternehmen vor allem von wachsender Unsicherheit, einem sich rasant verändernden globalen Handel, strukturellen Standortnachteilen und politischem Reformversagen geprägt. Die milliardenschwere Konjunkturpakete bringen noch nicht den erhofften Erfolg. Unsere Unternehmen versuchen nach wie vor, ständig neue Herausforderungen anzunehmen und wirtschaftlich den Kopf über Wasser zu halten, gleichzeitig aber mit der digitalen Transformation den größten Change-Prozess seit mehr als 100 Jahren zu stemmen. Sie werden auch das hinkriegen, brauchen aber politische Unterstützung. Und das heißt: runter von den hohen Kosten und weg mit den bürokratischen Blockaden“, so Elke Döring.

Info: An der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken beteiligte sich 336 Betriebe aller Branchen und Größen mit insgesamt 76.800 Beschäftigten.

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