KI und Berufseinstieg: Norman Müller fordert neue Lernwege

Norman Müller, Vorstandsvorsitzender des Bundesverband für KI-Transformation e.V., fordert in einem neuen Essay, die Entwicklungsmöglichkeiten junger Menschen bei der Einführung künstlicher Intelligenz mitzuberücksichtigen. Unter dem Titel „Wir profitieren von KI. Aber was hinterlassen wir unseren Kindern?“ beschreibt er Enkelfähigkeit als Maßstab für Entscheidungen in Unternehmen und Bildungseinrichtungen. KI-Transformation soll nach seiner Auffassung auch daran gemessen werden, ob nachfolgende Generationen selbst urteilen, Verantwortung übernehmen und wirtschaftlich teilhaben können.

Der Beitrag greift ein betriebliches Problem auf: Wenn Unternehmen Recherche, erste Entwürfe und andere Einstiegsaufgaben automatisieren, verändern sie zugleich die Lerngelegenheiten für Nachwuchskräfte. Müller plädiert dafür, diesen Kompetenzerwerb bewusst neu zu organisieren. Junge Beschäftigte könnten zunächst eine eigene Einschätzung zu einem überschaubaren Kundenfall entwickeln, diese anschließend mit einer KI-Analyse vergleichen und die Unterschiede mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen besprechen. Mit zunehmender Sicherheit sollten sie anspruchsvollere Fälle übernehmen.

Für die Bewertung von Produktivitätsgewinnen schlägt der Autor vor, die Zeit für Begleitung und gemeinsame Prüfung einzubeziehen. Führungskräfte sollten neben Bearbeitungszeiten auch verfolgen, ob Nachwuchskräfte komplexere Aufgaben selbstständig bewältigen. Der Essay versteht Erfahrungsaustausch als wechselseitigen Prozess: Erfahrene Beschäftigte erläutern ihre Entscheidungen, während jüngere Kolleginnen und Kollegen neue Verfahren erproben und bestehende Annahmen hinterfragen.

In der Bildung richtet Müller den Blick auf eigenständiges Denken und überprüfbaren Lernerfolg. Eine gute Antwort eines KI-Systems belegt aus seiner Sicht noch kein Verständnis beim Lernenden. Er beschreibt Aufgaben, in denen Schülerinnen und Schüler zunächst eigene Erklärungen entwickeln, Quellen prüfen und Lösungswege begründen. Auch Arbeitsphasen ohne KI haben darin einen Platz. Die Skepsis junger Menschen gegenüber Chatbots sollte nach seiner Auffassung in die Gestaltung solcher Angebote einfließen.

Der veröffentlichte Essay unterscheidet zwischen Unterstützung beim Bearbeiten einer Aufgabe und dauerhaft erworbener Kompetenz. Er diskutiert dazu Forschungsbefunde mit ihren jeweiligen Grenzen. Seine Vorschläge richten sich an Führungskräfte und Bildungsverantwortliche, die KI-Einsatz mit Ausbildung und Wissenstransfer verbinden möchten. Der vollständige Beitrag ist kostenfrei auf VENTURE AI STACK zugänglich:

https://www.ventureaistack.com/p/wir-profitieren-von-ki-aber-was-hinterlassen

Redaktionen können Norman Müller für Rückfragen und Gespräche über Nachwuchsentwicklung, Urteilskraft und die Gestaltung betrieblicher Lernwege anfragen.