Eine Wirtschaftsdelegation der Black Forest Power Region hat vom 24. bis 31. Oktober 2026 den Süden Brasiliens besucht. Unter Leitung von Landrat Thorsten Erny, Vorsitzender von nectanet, und Brigitta Schrempp, Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates und Präsidentin der Industrie- und Handelskammer, wurden zwei Kooperationsvereinbarungen unterzeichnet: mit der Stadt Blumenau und mit der Stadt Joinville. Vereinbart sind ein regelmäßiger Austausch sowie die Zusammenarbeit zwischen Politik und Wirtschaft, bei Innovation und Start-ups, im Tourismus und in der Bildung.
Internationale Beziehungen sichern den Standort
Internationale Partnerschaften gehören für Wirtschaftsregionen inzwischen zur Standortpolitik. Sie öffnen Märkte, sichern Lieferketten und helfen bei der Gewinnung von Fachkräften. Die Black Forest Power Region bringt dafür beste Voraussetzungen mit: Mit einer Bruttowertschöpfung in der deutschen Spitzengruppe, einer der niedrigsten Arbeitslosenquoten des Landes und der höchsten Dichte an Hidden Champions in Baden-Württemberg – bundesweit Platz drei – nimmt sie eine führende Stellung unter den deutschen Wirtschaftsregionen ein. In Brasilien stieß dieses Profil auf großes Interesse. Unternehmen und Institutionen in Blumenau und Joinville suchen gezielt den Austausch mit den Weltmarktführern aus dem Schwarzwald.
„Wir sind mit großen Erwartungen nach Brasilien gereist, und sie wurden übertroffen“, sagt Landrat Thorsten Erny, Vorsitzender von nectanet. „In Blumenau und Joinville haben wir Partner getroffen, die unsere Sprache sprechen, unsere Wirtschaftsstruktur kennen und mit uns arbeiten wollen. Jetzt geht es darum, aus den Vereinbarungen konkrete Projekte zu machen. Daran werden wir arbeiten und es wird im kommenden Jahr gemeinsam mit unserer Unternehmerschaft einen weiteren Besuch geben.“
Mercosur eröffnet neue Chancen für den Mittelstand
Zusätzliches Gewicht bekommt die Delegation durch das Handelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. Ab 2027 wird ein deutlich wachsendes Handelsvolumen zwischen Deutschland und Brasilien erwartet. Der Bundesstaat Santa Catarina setzt bewusst auf Internationalisierung und will nach den Worten seiner Vertreter „Europas Tor zum Mercosur“ sein. 199 deutsche Unternehmen sind bereits heute dort aktiv, darunter Mitglieder und Partner von nectanet. Brasilien ist der größte Markt Südamerikas; Chancen ergeben sich für Export und Import gleichermaßen, mittelfristig auch für Investitionen in Fertigung und Start-ups.
„Unsere Unternehmen sind in Europa stark, in Südamerika liegt für viele noch erhebliches Potenzial“, sagt Brigitta Schrempp, Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates. „Brasilien ist der größte Markt des Kontinents, und das Interesse an unseren Hidden Champions war in jedem Gespräch spürbar. Wir wollen Import und Export in beide Richtungen stärken und dann sehen, was darüber hinaus möglich ist – von Investitionen in Fertigung bis zu Beteiligungen an Start-ups.“
Innovationszentren in beiden Städten
Auf dem Programm standen die Innovationsstandorte beider Städte. Blumenau errichtet mit dem Distrito de Inovação derzeit den zweiten Innovationsdistrikt Brasiliens; der Bundesstaat Santa Catarina verbindet 24 Innovationszentren zu einem landesweiten Netzwerk, von dem 14 Kommunen des sogenannten Europäischen Tals profitieren. In Joinville besuchte die Delegation den Ágora Tech Park und den 1911 gegründeten Unternehmerverband ACIJ mit 1.800 Mitgliedsunternehmen. Die größte Stadt Santa Catarinas hat ihr Bruttoinlandsprodukt in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gesteigert. Neben traditionsreicher Industrie, darunter die größte Eisengießerei der Welt, wächst dort eine junge Szene aus Software-, FinTech- und Nanotechnologie-Unternehmen.
Deutsche Sprache als Fundament der Partnerschaft
Eine Besonderheit der neuen Partnerschaften ist ihr sprachliches Fundament. In Blumenau, 1850 von Hermann Blumenau gegründet, unterrichten 22 Grundschulen Deutsch; fünf bilinguale Schulen beschäftigen 25 Deutschlehrkräfte, das Honorarkonsulat unterstützt rund 1.800 Sprachschüler. In Joinville besuchte die Delegation das Deutsche Kulturzentrum, das sich dem Erhalt der deutschen Sprache und dem Aufbau neuer Verbindungen nach Deutschland widmet, sowie die Traditionsschule Bom Jesus/IELUSC, an der Kinder ab dem Kindergarten Deutsch lernen. Sie ist Brasiliens wichtigste Zertifizierungsschule für das Deutsche Sprachdiplom der Stufen B2 und C1.
Stipendiaten kommen 2027 in die Region
Konkret wird die Zusammenarbeit bereits bei der Fachkräftegewinnung. Die Delegation traf Stipendiaten von nectanet, die derzeit Deutsch lernen und im kommenden Jahr in die Black Forest Power Region kommen werden, unter anderem für eine Tätigkeit in der Pflege. Sie verbinden Ausbildung und Sprachkenntnisse mit einer persönlichen Bindung an die Region; weitere Jahrgänge sollen folgen.
„Gemeinsam werden wir von wichtigen Partnern weltweit wahrgenommen. Im Zusammenhalt können wir etwas bewegen, und es ist beeindruckend, wie unsere Region ihre Stärke im Gleichschritt nach außen spielen kann“, sagt Dominik Fehringer, Geschäftsführer von nectanet.
Für 2027 bereiten die Partner Gegenbesuche und erste gemeinsame Formate vor.
Über nectanet – Black Forest Power Region
nectanet ist die Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Black Forest Power Region im Südwesten Baden-Württembergs. Das Netzwerk verbindet mehr als 50 Städte und Gemeinden sowie einen Wirtschaftsbeirat mit 200 Unternehmen – darunter 45 Hidden Champions.
