Am saarländischen Arbeitsmarkt setzt sich die zaghafte Herbstbelebung fort. Wie schon im September ist die Arbeitslosigkeit auch im Oktober leicht gesunken. Trotzdem kann unverändert nicht von einer Trendwende gesprochen werden, denn dafür fällt der Rückgang der Arbeitslosigkeit zu schwach aus. Nach wie vor belasten hohe Energie- und Arbeitskosten und eine ausufernde Bürokratie die Unternehmen in ihrer gesamten Breite und verringern damit ihre Investitionsneigung. In der Folge schreiten deshalb auch die Personalanpassungen im für das Saarland so wichtigen Verarbeitenden Gewerbe weiter voran. Die Arbeitslosenquote verharrte an der Saar bei 7,3 Prozent und sank im Bund auf 6,3 Prozent. Aktuell sind hierzulande 38.692 Menschen arbeitslos. Das sind 174 Arbeitslose weniger als im September und 89 weniger als im Oktober 2025.
Auch im Ranking der Bundesländer zeigt sich unverändert die relative Schwäche des Saar-Arbeitsmarktes. Weiterhin weisen nur sechs Länder eine höhere Arbeitslosenquote auf als das Saarland. Ein Blick auf den Spitzenreiter Bayern mit seiner aktuellen Quote von vier Prozent belegt, wie groß der Rückstand ist. Schlusslicht im Ländervergleich bleibt unverändert Bremen mit aktuell elf Prozent.
In den einzelnen Teilsegmenten des Arbeitsmarktes verlief die Entwicklung im Oktober wieder uneinheitlich. So sank die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen hierzulande von 6,7 auf 6,3 Prozent und im Bund von 6,3 auf sechs Prozent. Bei den 55 bis unter 65-Jährigen zeigte sich dagegen im Saarland wie auch im Bund keinerlei Veränderung. Die Quote verharrte hierzulande bei 7,3 Prozent und im Bund bei 6,5 Prozent. Stagnation zeigt sich auch bei der Entwicklung der Ausländerarbeitslosigkeit an der Saar. Die Quote liegt unverändert bei 18,2 Prozent: Im Bund hingegen sank sie von 13,6 auf 13,4 Prozent. Ausländer stellen im Land 35,7 und im Bund 35,1 Prozent aller Arbeitslosen (registriert nach § 16 SGB III). Insgesamt gesehen hinkt das Saarland dem Bund in allen Teilsegmenten des Arbeitsmarktes weiterhin mehr oder weniger deutlich hinterher.
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an der Saar ist im August gegenüber Juli (das ist der aktuelle Datenstand) saisonüblich gestiegen: +4.800. Dieser Zuwachs darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Beschäftigungsniveau im Vorjahresvergleich nach wie vor sinkt. Denn bei einem Bestand von 386.000 Stellen ist wieder ein deutliches Minus gegenüber dem Vorjahresmonat zu verzeichnen: -4.171. Das entspricht einem Beschäftigungsverlust von 1,1 Prozent im Vergleich zum August 2025 und geht erneut wesentlich auf das Konto des Verarbeitenden Gewerbes (-5.200). Seit 31 Monaten sinkt damit die Beschäftigung im Saarland kontinuierlich. Im langjährigen Mittel beträgt das Beschäftigungswachstum an der Saar zwar immer noch +0,1 Prozent, doch als Folge der strukturellen Probleme des Landes im Transformationsprozess sowie des unsicheren weltwirtschaftlichen Umfelds verkehrt sich dieser Aufwuchs mehr und mehr in sein Gegenteil.
Im aktuellen Länderranking der Beschäftigungsentwicklung liegen das Saarland mit -1,1 Prozent (gegenüber Vorjahresmonat) auf dem vorletzten Platz vor Thüringen. In acht von 16 Bundesländern ist die Beschäftigung inzwischen rückläufig, in einem Bundesland (Hessen) stagniert sie. Dies erklärt dann auch, dass im Bund insgesamt die Beschäftigung inzwischen sinkt (-0,1 Prozent) und auch dort mittlerweile deutlich unter dem langjährigen Bundesschnitt von +1,0 Prozent liegt.
„Die Arbeitslosigkeit ist auch im Oktober leicht gesunken. Damit setzt sich die saisonal übliche Herbstbelebung fort. Für eine nachhaltige Trendwende fehlt der Saarwirtschaft jedoch weiterhin die Kraft. Im Vergleich zum Vorjahr hat das Saarland erneut Arbeitsplätze verloren – vor allem in der Industrie. Eine schwache Auftragslage und hohe Standortkosten belasten die Betriebe nach wie vor. Das ist besorgniserregend, denn einmal verlorene industrielle Strukturen lassen sich nur schwer wieder aufbauen. Die Bundesregierung ist daher dringender denn je gefordert, mit marktwirtschaftlichen Reformen die Energie- und Arbeitskosten zu senken und Unternehmen bei Steuern und Abgaben zu entlasten. Ebenso notwendig sind ein durchgreifender Bürokratieabbau und schnellere Genehmigungsverfahren. Eine Trendwende am Arbeitsmarkt wird erst gelingen, wenn sich Investitionen am Standort Deutschland wieder rechnen und Unternehmen hierzulande zusätzliche Kapazitäten aufbauen, statt Produktion aus Kostengründen ins Ausland zu verlagern.“ So kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé die heute (30. Oktober) von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit vorgelegten Arbeitsmarktzahlen.
