Altersteilzeit: 47 % wissen nicht, was in ihrem Betrieb gilt

Über die Zukunft der Rente wird derzeit neu verhandelt. Auch die Altersteilzeit steht zur Debatte: Die Alterssicherungskommission (https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975228/2444780/0fcbf810775351c64007ee6cb2c7cad9/2026-06-24-bericht-alterssicherungskommission-data.pdf) empfiehlt, das verbreitete Blockmodell zu streichen; das Gesetzgebungsverfahren soll noch in dieser Legislaturperiode abgeschlossen werden.

Wie Beschäftigte selbst über ihren Übergang in die Rente denken und was sie über die bestehenden Möglichkeiten wissen, hat eine Studie des ifb – Institut zur Fortbildung von Betriebsräten (https://www.betriebsrat.de) und des Datenstudios DataPulse Research (https://www.datapulse.de) untersucht. Befragt wurden 1.006 Beschäftigte in Deutschland.

Das Ergebnis: 47 % der Befragten wissen nicht, was in ihrem Betrieb zur Altersteilzeit tatsächlich gilt. Zugleich würden 61 % eher bis zur Regelaltersgrenze arbeiten, wenn sie vorher kürzertreten könnten. Nur 7 % sagen, sie würden es dann eher nicht tun.

40 % wollen kürzertreten, 29 % rechnen damit

Bei freier Wahl würden 40 % der Befragten ihre Arbeitszeit vor der Rente schrittweise reduzieren. Das ist der mit Abstand häufigste Wunsch. Dass es auch so kommt, erwarten jedoch nur 29 %. Rund jeder Sechste wünscht sich stattdessen, zunächst voll weiterzuarbeiten und anschließend vor der Rente bezahlt freigestellt zu werden.

Was dazwischensteht, ist vor allem Geld. 39 % fürchten, dass eine reduzierte Arbeitszeit ihre spätere Rente schmälert. 37 % könnten sich die Einkommenseinbußen in den Jahren davor nicht leisten. Nur 8 % sehen gar kein Hindernis.

Das bisher meistgenutzte Modell soll wegfallen – nur ein Viertel weiß davon

Erst volle Arbeit, dann bezahlte Freistellung: So liefen über 80 % der Altersteilzeit-Vereinbarungen, die zwischen 2009 und 2018 begonnen haben. Das Blockmodell war damit über Jahre die mit Abstand beliebteste Variante – und genau dieses Modell soll nach dem Willen der Kommission wegfallen. Erhalten bliebe das Teilzeitmodell, bei dem die Arbeitszeit bis zum Ruhestand reduziert wird.

Bei den Beschäftigten ist das bisher kaum angekommen. Nur ein Viertel weiß, dass das Blockmodell abgeschafft werden soll. Ein weiteres Viertel hat von den Reformplänen überhaupt noch nie gehört.

Viele haben sich noch gar nicht informiert

43 % der Befragten haben sich bisher gar nicht über ihren Übergang in den Ruhestand informiert. Wer sich informiert, tut es meist im persönlichen Umfeld: 25 % nennen Familie oder Freunde, 14 % Kolleginnen und Kollegen. Deutliche Unterschiede zeigen sich dort, wo es eine betriebliche Interessenvertretung gibt. In Betrieben mit Betriebs- oder Personalrat haben sich 35 % noch gar nicht informiert. In Betrieben ohne jede Interessenvertretung sind es 60 %.

Dabei hängt daran mehr als die persönliche Lebensplanung. Die Reform soll dazu führen, dass Menschen länger im Beruf bleiben, und der gleitende Übergang ist dafür der stärkste Hebel, den die Befragung zeigt: Für 61 % würde die Aussicht, vorher kürzertreten zu können, ein Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze wahrscheinlicher machen. Wer davon nichts weiß, kann die Möglichkeit auch nicht nutzen.

„Die Studie zeigt, wie groß der Wunsch nach flexiblen Übergängen in die Rente ist“, sagt Markus Brandt, ifb-Bildungsreferent im Bereich Rente und Sozialversicherung. „Hier sind auch die Betriebsräte gefragt: Sie können das Thema frühzeitig auf die Agenda setzen und darauf hinwirken, dass aus individuellen Wünschen konkrete betriebliche Lösungen werden.“

Die vollständige Studie mit allen Grafiken finden Sie hier: https://ots.de/XBNMcr

Über die Studie

Die Studie beruht auf einer Online-Befragung von 1.006 Beschäftigten in Deutschland zwischen 18 und 64 Jahren (Vollzeit und Teilzeit, ohne Selbstständige). Die Befragung wurde vom 31. August bis 4. September 2026 von Obsurvant im Auftrag von DataPulse Research durchgeführt. Die Stichprobe ist nach Geschlecht und Region bevölkerungsproportional quotiert, das Alter ist breit gestreut, aber nicht quotiert. Die Studie wertet zusätzlich Daten des IAB (https://doku.iab.de/forschungsbericht/2025/fb2425.pdf) zur Verbreitung der Altersteilzeit und den DGB-Index Gute Arbeit (https://index-gute-arbeit.dgb.de/++co++6f8c36b8-747b-11f1-8ebc-b792cdc69622) zur Berufsbelastung aus.

Über das ifb

Das ifb – Institut zur Fortbildung von Betriebsräten – ist Bildungspartner für Betriebsräte und betriebliche Interessenvertreter. Über die Wissensplattform betriebsrat.de und mit hochwertigen Seminaren und Veranstaltungen unterstützt das Institut seit 1988 Arbeitnehmervertreter mit praxisnahem Fachwissen zu arbeitsrechtlichen, wirtschaftlichen und kommunikativen Themen.

Über DataPulse Research

DataPulse Research ist ein unabhängiges Datenstudio mit Fokus auf Datenjournalismus und datengetriebene Visualisierungen. Wir machen komplexe Zusammenhänge verständlich und setzen Zahlen in einen klaren Kontext. Unsere Studien erscheinen regelmäßig in Medien wie Zeit, FAZ, Tagesschau, Welt, Focus, Bild, Statista und Wikipedia.

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