Befragung unter 3.000 Lehrern: Zwei Drittel können nicht auf digitalen Fernunterricht umschalten / “Report Mainz”, 18.8.20, 21:45 Uhr im Ersten (FOTO)

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Mainz. Die Mehrheit von 3.000 befragten Lehrkräften sieht sich nicht in der Lage, im Fall einer Corona bedingten Schulschließung Fernunterricht per Internet als adäquaten Ersatz zum Schulunterricht anzubieten. Dies geht aus einer bundesweiten, nicht-repräsentativen Befragung des ARD-Politikmagazins “Report Mainz” hervor.

Keine Konzepte, mangelhafte Ausstattung

So antworteten rund 64 Prozent der Umfrageteilnehmer*innen auf die Frage, ob sie im Falle eines zweiten Lockdowns ad hoc vom Präsenzunterricht auf gleichwertigen digitalen Fernunterricht umschalten könnten, mit “Nein”. 68 Prozent der Befragten gaben an, dass an ihrer Schule kein schlüssiges Konzept für digitalen Fernunterricht existiere. Als häufigster Grund für Probleme beim Thema Fernunterricht nannten die Befragten die mangelhafte technische Ausstattung ihrer Schülerinnen und Schüler (84 Prozent) sowie der Schulen (73 Prozent, Mehrfachnennung möglich). An der Online-Umfrage hatten sich über 3.000 Lehrerinnen und Lehrer bundesweit und von verschiedenen Schulformen beteiligt. Die Umfrage erfolgte rund fünf Monate nach den ersten Corona bedingten Schulschließungen in Deutschland.

Teilweise müssen Lehrkräfte Hausaufgaben mit dem Auto ausfahren

Mit Abstand am häufigsten sehen die Befragten die Verantwortung für fehlende Konzepte bei den jeweiligen Kultusministerinnen und Kultusministern der Länder (74 Prozent, Mehrfachnennung möglich). Gegenüber “Report Mainz” berichteten Lehrerinnen und Lehrer, dass z. B. Lernplattformen der Schule nicht zuverlässig genug für digitalen Fernunterricht funktionierten, etwa um per Videokonferenz zu unterrichten, oder dass IT-Lösungen zwar angekündigt wurden, aber bis heute nicht verfügbar seien. Weiter geben viele Lehrer*innen an, dass ihnen der Einsatz von Videosoftware aus datenschutzrechtlichen Bedenken verboten worden sei, es aber häufig keine Alternativangebote gegeben hätte. Aus mehreren Bundesländern berichten Lehrerkräfte, sie hätten aufgrund mangelnder digitaler Infrastruktur Arbeitsblätter mit dem Auto an ihre Schülerinnen und Schüler ausgefahren.

Kritik vom Bildungsexperten und aus der Opposition

Im Interview mit “Report Mainz” kritisiert Bildungsforscher Axel Plünnecke vom Institut der Deutschen Wirtschaft eine mangelnde Priorisierung des Themas Bildung seitens der Bundesländer. “Hier wäre mehr Koordination nötig und sinnvoll gewesen. Auch auf Bundesebene hätte man natürlich Leit- und Konzeptideen erarbeiten können, an denen sich dann auch die Länder und Kommunen orientieren.” In der Folge sei die Zeit seit dem ersten Lockdown vielerorts nicht für die Digitalisierung genutzt worden, so Plünnecke: “Es gibt in Deutschland noch viele Schulen, bei denen bisher die Umsetzung verschlafen wurde.” Kritik gibt es auch von der Opposition im Bundestag. “Von den Versprechungen kommt draußen dann vor Ort kaum etwas an. Das heißt, Lehrerinnen und Lehrer und damit auch die Schülerinnen und Schüler, die hören große Worte, aber es passiert nichts. Und das finde ich, das ist ein ganz, ganz trauriges Zeichen für unser Land”, sagte der Bundestagsabgeordnete und Bildungspolitiker Thomas Sattelberger (FDP).

Kultusministerien sehen sich gut gewappnet

“Report Mainz” hat alle Kultusministerien der Länder um eine Stellungnahme gebeten. 12 Länder haben geantwortet und dagegen erklärt, sie seien auf den digitalen Fernunterricht gut vorbereitet. So teilte das Ministerium in Rheinland-Pfalz mit, seine Schulen hätten die vergangenen Wochen und Monate “insgesamt sehr gut bewältigt.” Das zuständige Ministerium in Mecklenburg-Vorpommern hat laut eigener Darstellung die Schulen bisher eng begleitet. Das bayerische Kultusministerium teilte “Report Mainz” mit: “Für die Zukunft sind wir gut aufgestellt.” Aus dem zuständigen Ministerium in Sachsen heißt es zu den Vorwürfen der Lehrer*innen: “Es ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft, mit dem Finger auf andere zu zeigen.”

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