Lebensechtes chirurgisches Training am künstlichen Patienten

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Luxemburg/Wien 11. April 2020

Das Üben chirurgischer Techniken an “Schweinepräparaten” ist nicht mehr zeitgemäß

Ein wesentlicher Vorteil der Digitalisierung, wie die DTMD University for Digital Technologies in Medicine and Dentistry sich sie auf die Fahne schreibt, ist die weitergehende Unabhängigkeit von Zeit und Raum beim Lehren und Lernen. Darüber hinaus bieten Digitalisierung und Virtualisierung viele technologische Innovationen, die lebensnahe Quasi-Realwelten abbilden können. So nutzen ausgewiesene Chirurgie-Trainer weltweit moderne Computertechniken und Echtzeit-Simulationen mit Videoaufnahmen aus echten OPs und haptischer Wahrnehmung.

Dazu Prof. Dr. Ralf Rössler, Dekan der DTMD University mit umfangreicher realer OP-Erfahrung: “Dank neuer digitaler Technologien kann die DTMD University lebensechtes chirurgisches Training am künstlichen Patienten durchführen. Der Chirurg fühlt dabei genau wie im realen OP-Saal, wenn er mit den Instrumenten auf Gewebe trifft, es schneidet, mit der Pinzette zieht oder schiebt.” Das Simulationsprogramm rechnet das Tastgefühl um und präsentiert auf dem Bildschirm entsprechende Bilder aus einer riesigen Videodatenbank. Rössler weiter: “In Deutschland leben wir diesbezüglich leider noch in der Vergangenheit.” Nach wie vor seien mehrheitlich OP-Trainings an Tierpräparaten zu beobachten. In der Humanmedizin geschehe dies teilweise auch an lebenden, narkotisierten Tieren. Auf Grund anatomischer Unterschiede zwischen Tier und Mensch seien Operationsübungen am Tier für den Humanchirurgen allerdings eher ungeeignet, teilweise sogar gefährlich. In vielen Fällen würde damit eine falsche, vermeintliche Sicherheit bei den Kursteilnehmern vermittelt.

Hochmodernste Technik macht es möglich

Die DTMD University forscht zusammen mit dem österreichischen Medizintechnikunternehmen W&H Dentalwerk Bürmoos GmbH an Simulationsmodellen für die Zahnmedizin, die aus künstlichem Gewebe, Blut und Knochen anatomisch exakt nachgebaute Kiefer darstellen. Damit können die Studierenden der DTMD University und ihre Dozenten, Operationen unter realistischen Bedingungen, aber ohne Risiko für einen echten Patienten trainieren. Ein weiterer Forschungspartner ist Prof. Werner Korb – nach eigenen Angaben weltweit einer erster und einziger Professor für “Simulation und Ergonomie in der operativen Medizin”. Die DTMD University und Korb arbeiten derzeit im Projekt “Sebastian – Sensor Based Surgery Training – Integrated System and Analytics” zusammen. Korb betont: “Für Piloten ist Training im Simulator längst State of the Art, um Fliegen so sicher wie möglich zu machen. Die Komplexität von Flugzeugcockpit und modernem Operationssaal ist vergleichbar, ebenso die Verantwortung, die für das Leben anderer übernommen wird. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass sowohl digitale Konzepte und auch Simulator basiertes Training auch in der zahnärztlichen Chirurgie üblich werden wird, um die Patientensicherheit nachhaltig zu steigern.”

Virtuelles OP-Training
Übung macht den Meister. Das gilt für alle operativ arbeitende Mediziner. Für alle Beteiligten ist es von großem Vorteil, nicht direkt am lebenden Patienten zu üben. Deshalb erachtet es die DTMD University für unabdingbar, virtuelle IT-gesteuerte Simulationslösungen in ihre Ausbildungsprogamme zu integrieren.
Die Simulationen haben viele Vorteile: Sie sind realitätsnahe und können leicht standardisiert werden. Außerdem sind sie ohne hygienische oder sonstige örtliche Auflagen durchführbar. Das heißt für die Studenten und Studentinnen der DTMD University, dass sie diese Trainings auch bei sich zu Hause oder in der Praxis durchführen können. Alles im engen Kontakt und Gespräch mit dem betreuenden Dozenten.

Spezielle OP-Trainings
Der Einsatz von Simulationstechnologien wird in Zukunft zunehmen, da sind sich Experten sicher. An der DTMD University ist dies bereits Realität.

In der Zukunft wird an der DTMD University der Simulator als Bestandteil eines neuen “roboterchirurgischen” Curriculums für die berufsbegleitende Weiterbildung von niedergelassenen Zahnärzten oder Assistenzärzten der chirurgischen Disziplinen eingesetzt. Das Einsatzspektrum reicht von einfachen Extraktionen bis zu hochspezialisierten parodontalchirurgischen oder augmentativen OP-Techniken, zum Beispiel in der Implantologie. Dazu betont Prof. Rössler. “Diese Spezialkurse halten wir für eminent wichtig. Jüngere Studien haben gezeigt, dass ein regelmäßiges “Simulator-Training” wie eine Art Aufwärmtraining die operativen Fähigkeiten eines Chirurgen am Patienten nachhaltig optimieren kann.”

Weitere Informationen unter:
http://www.dtmd.eu/