Meisterfeier-Splitter – ein Vorgeschmack auf die Meisterfeier des Handwerks

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Am Samstag, 11. Oktober 2014 ab 18:30 Uhr ist es soweit: 751 junge Handwerkerinnen und Handwerker aus 30 verschiedenen Gewerken erhalten bei der Meisterfeier der Handwerkskammer Region Stuttgart im Internationalen Congresscenter Stuttgart ICS ihre Meisterbriefe. Bei der öffentlichen Veranstaltung werden 2500 Besucher erwartet.
Lizenz zum Erfolg
James Bond hat zwar keinen Meistertitel im Handwerk, seine Filme waren aber Ideenlieferant für das Motto: Der Meisterbrief wird bei der diesjährigen Veranstaltung als “Lizenz zum Erfolg” vorgestellt. “Sie haben niemals nie gesagt und sind im Dienste ihres Handwerks auch weiterhin in siegreicher Mission unterwegs” – das sind die erfolgreichen Jungmeister des Jahrgangs 2013/2014, so jedenfalls verspricht es die Einladung.
Ministerpräsident gefällt “Lizenz zum Erfolg”
Die Zeit, den Jungmeistern persönlich zu gratulieren zu können, findet Landesvater Winfried Kretschmann leider nicht – eine Terminkollision ist schuld. Aus dem Grußwort des Ministerpräsidenten in der Programmbroschüre lässt sich aber entnehmen, dass das Motto der Veranstaltung passt: “Ich finde, den mehr als 700 Jungmeisterinnen und Jungmeistern der Handwerkskammer Region Stuttgart gebührt die Ehre, dass sie sich bei der großen Meisterfeier einmal so richtig feiern lassen und im Kreise ihrer Familienangehörigen und Freunde diesen Tag genießen – und das unter dem passenden Motto “Lizenz zum Erfolg”.”
Vollversammlung sendet Signal nach Brüssel
Mit Blick auf die aktuellen Herausforderungen und die jetzt erneut vorgetragene Kritik am qualifikationsgebundenen Berufszugang appelliert die Vollversammlung der Stuttgarter Handwerkskammer an die Bundesregierung und die europäischen und internationalen Institutionen: Der weitere Auf- und Ausbau des dualen Ausbildungs- und Qualifizierungsmodells und der zugrundliegenden Strukturen im In- und Ausland muss nachdrücklich gefördert werden. Die Vorteile und Stärken des qualifikationsgebundenen Berufszugangs müssen endgültig anerkannt werden. Das Signal lautet: “Einer fatalen Dequalifizierung muss selbstbewusst entgegengetreten werden.”
Ja zum Meister
“Ja zum Meister” heißt das klare Bekenntnis des deutschen Handwerks. Die Aussage wird durch den “Handwerksdaumen” eindeutig zum Ausdruck gebracht. Der Daumen auf dem neu entwickelten Logo reckt sich geradewegs nach oben und bringt zum Ausdruck “Nur so geht”s”.
Merkel will den Meister
Die Bundeskanzlerin weiß, wie wichtig der Meisterbrief und die duale Ausbildung für die Zukunft des Handwerks sind. Auch in Brüssel will sie sich dafür einsetzen. Die Abschaffung des Meisterbriefs bleibt für Bundeskanzlerin Angela Merkel auch weiterhin ein Tabu. “Wir werden uns nicht in Deutschland für den Meisterbrief einsetzen sondern in Europa”, sagte die Kanzlerin vor kurzem auf der Vollversammlung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Berlin. Alles andere würde die gesamte Qualität der Berufsausbildung schmälern und das werde die Bundesregierung nicht zulassen.
Fabian Schöllhammer ist Doppelmeister
Eine Doppellizenz besitzt nunmehr Fabian Schöllhammer aus Nürtingen. Nach der Meisterprüfung im Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk folgte nun die zweite Lizenz. Er legte die Meisterprüfung im Klempner-Handwerk ab. Selbstbewusst erklärt er warum: “Wir haben einen Familienbetrieb in der dritten Generation, in dem Know-how aus beiden Branchen benötigt wird. Da ich den Betrieb einmal übernehmen möchte, brauche ich beide Meistertitel”, sagte der 27-Jährige, der als Meisterstück einen filigranen Grill aus Kupferblech und Edelstahl angefertigt hat.
Sessel für den Meistertalk
Ein Jahr auf die Meisterprüfung hingearbeitet hat Diana Allgaier. Mit großem Erfolg übrigens. Die Raumausstattermeisterin ist Bestmeisterin ihres Gewerks. “Mit Ehrgeiz, Fleiß und ein bisschen Glück kann man das schaffen”, erzählt die 34-Jährige aus Stuttgart. Ihr Meisterstück ist ein Sessel, der bei der Meisterfeier einen sehr prominenten Platz einnimmt. Er dient tatsächlich als Sitzplatz für den Expertentalk auf der Bühne. 25 Stunden Arbeitszeit hat Diana Allgöwer investiert. Die anderen Talkgäste sitzen natürlich auch meisterlich. Auch ihre Sessel stammen aus der Meisterschule des diesjährigen Jahrgangs und können von den 2.500 Besuchern bestaunt werden.
Bestmeister
Zu den diesjährigen Bestmeistern zählt auch Patrick Mayle aus Neuler. Der junge Zimmerermeister, der in Stuttgart seine Meistervorbereitung und -prüfung absolvierte, ist vom Nutzen der Qualifizierung überzeugt. “Ich habe neben den fachlichen Details auch gelernt, wie man mit Verantwortung richtig umgeht. Das ist für uns Jungmeister als künftige Führungskräfte mit das Wichtigste überhaupt.”
Auch Klempnermeister Sebastian Kempf aus Schonach hat die vielen Vorteile der Meisterqualifikation kennengelernt. Weil er in zwei Jahren den elterlichen Betrieb zusammen mit seinem Bruder übernehmen will, kam die Vorbereitung für ihn zur rechten Zeit. “Ich habe jetzt noch ausreichend Zeit, um in die betriebliche und unternehmerische Praxis eingeführt werden zu können.” Für einen Bestmeister seines Fachs sicher ein machbare Herausforderung.
Alle Bestmeister
– Jessica Lorenz, Friseur-Handwerk, Ludwigsburg
– Daniel Koch, Informationstechnikerhandwerk, Wernau
– Steffen Altvater, Installateur- und Heizungsbauer-Handwerk, Gschwend
– Sebastian Kempf, Klempner-Handwerk, Schonach
– Patrick Mayle, Zimmerer-Handwerk, Neuler
– Verena Kranebitter, Stuckateurmeisterin, Wien/Österreich
– Lukas Dzimbowski, Landmaschinenmechaniker, Gerstetten
– Carolin Feuchtmeyer, Maßschneider-Handwerk, Salzburg
– Diana Allgaier, Raumausstatter-Handwerk, Stuttgart
– Simone Feyer, Maler- und Lackier-Handwerk, Niedereschach
– Sebastian Schreiber, Metallbauer-Handwerk, Ludwigshafen
– Sixt Moritz von Kapff, Schilder- und Lichtreklamehersteller-Handwerk, Tübingen
– Angela Hanke, Orgel- und Harmoniumbauer-Handwerk, Leonberg
Förderpreis des Rotary Clubs Stuttgart
Unter den Bestmeistern kann sich eine Person besonders freuen: Der Rotary Club Stuttgart hat einen Förderpreis in Höhe von 3.000 Euro ausgelobt, der ebenfalls im Rahmen der Meisterfeier überreicht wird. Ausgezeichnet wird ein junger Handwerker oder eine Handwerkerin, welche sich neben der herausragenden fachlichen Leistung auch durch die Zukunftsplanungen hervorhebt. Und sollte die unternehmerische Selbstständigkeit im Handwerk ein Ziel sein, stehen die Chancen schon sehr gut. Das Geheimnis wird bei der Veranstaltung auf der Bühne gelüftet.
Direktor und Meister
Eine ungewöhnliche Karriere hat Dr. Oliver Nebel vorzuweisen. Im “echten Leben” ist er Direktor bei der AOK in Bad Tölz. Sein Faible gilt allerdings auch dem Bäckerhandwerk. Nach der Gesellenprüfung in jungen Jahren hat sich sein berufliches Leben dann in eine andere Richtung entwickelt. Jetzt hat er es vollends wissen wollen und die Meisterprüfung im Bäckerhandwerk in Stuttgart abgelegt – “nebenher” wohlgemerkt.
Maler auf neuen Pfaden
Im Jahr 2014 wurden in Stuttgart erstmals in Deutschland auch Meister im Maler- und Lackiererhandwerk geprüft, deren Schwerpunkt im Bauten- und Korrosionsschutz liegt. Damit wurde einem stetig wachsenden Markt, der unbedingt nach Fachkräften und Meistern mit entsprechender Qualifikation verlangt, Rechnung getragen. Bernd Mörk, Vorsitzender des Ausschusses betont: “Das Sonderprogramm der Bundesregierung zur Straßenbrückensanierung kann hiervon profitieren.” Damit wurde einer aufstrebenden Sparte eine qualifizierte Basis geschaffen. Erstmals wurde in diesem Gewerk eine Online-Meistervorbereitung mit unterstützt und berücksichtigt. Mit sechs neuen Meistern ist eine Basis für eine weitere Entwicklung geschaffen und die Anmeldungen für 2015 lassen stetig wachsende Zahlen erwarten.
Der Meister lohnt sich
Die Qualifikation zum Meister zahlt sich aus: Das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Handwerksmeisters liegt ungefähr gleichauf mit dem eines Fachhochschulabsolventen. Dies ergab eine Studie des IAB (Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung). Was viele nicht wissen: Seit einigen Jahren ist der Meisterbrief als “Allgemeine Hochschulzugangsberechtigung” anerkannt und eröffnet so die Möglichkeit für einen Studienabschluss ohne Abitur.
Voraussetzungen für den Meistertitel
Um sich für die Meisterprüfung anmelden zu können, wird eine bestandene Gesellenprüfung vorausgesetzt. Wenn Handwerker den Meister im gleichen Beruf anstreben, können sie die Fortbildung zum Meister im Prinzip direkt an die Ausbildung anschließen. Die Meisterfortbildungen sind grundsätzlich in vier Kursteile aufgeteilt: praktischer Teil (I), fachtheoretischer Teil (II), betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Teil (III), berufspädagogischer Teil (IV). Am Ende jedes Kursteils findet die Prüfung statt. Es ist nicht verbindlich vorgegeben, in welcher Reihenfolge man die Kurse absolvieren muss.
Eine gute Investition
Die Kosten der Weiterbildung zum Meister sind von Gewerk zu Gewerk unterschiedlich: bei den Fleischern und Friseuren fallen um die 4.000 Euro an. Der Elektriker-Meister kostet rund 9.000 Euro. Je nachdem wo sich die nächstgelegene Meisterschule befindet, kommen dazu noch Fahrtkosten oder Unterkunftskosten. Die Prüfungsgebühren, die die Handwerkskammern erheben, belaufen sich insgesamt auf etwa 750 Euro. Doch es lohnt sich: Finanziell rechnet sich der Meister meist nach vier bis fünf Jahren. Das ist von der Branche und dem Arbeitgeber abhängig.
BAföG für den Meister
Wer mit den Kosten der Meisterausbildung alleine nicht fertig wird, kann Meister-Bafög beantragen. Der Staat bezuschusst die Ausbildung mit 30,5 Prozent. Der Rest ist ein Darlehen zu günstigen Konditionen bei der KfW-Bank, das zurückgezahlt werden muss. In Bayern erhalten erfolgreiche Absolventen seit 1.September 2013 zusätzlich den “Meister-Bonus” in Höhe von 1.000 Euro. Im Bezirk der Handwerkskammer Region Stuttgart wurden im letzten Jahr zahlreiche Meisterschüler durch Meister-Bafög gefördert. ” Ohne diese Unterstützung würden viele Handwerker den Schritt nicht wagen”, sagt Christoph Arnold von der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Es gebe zahlreiche Meisterschüler mit Familie, bei denen der Verdienstausfall im Falle eines Vollzeit-Meisterkurses nur durch das Meister-BAföG aufgefangen werden könne. Für einen alleinstehenden Meisterschüler in Vollzeit ohne Kind bedeutet dies, dass er derzeit 697 Euro an Unterstützung zum Lebensunterhalt bekommt. Davon sind 238 Euro Zuschuss und 459 Euro Darlehen. Für Verheiratete steige der Betrag auf 912 Euro (238 Euro Zuschuss und 674 Euro Darlehen) und für Verheiratete mit einem Kind gebe es 1122 Euro (343 Euro Zuschuss und 779 Euro Darlehen).
Infos zur Meisterfeier sowie das Programmheft mit den Jungmeistern finden Sie hier: http://www.hwk-stuttgart.de/handwerk-regional/aktuelles/meisterfeier-2014.html