Saarwirtschaft: Hoffnung auf rasche Erholung schwindet

Die Stimmung der Saarwirtschaft hat sich im Oktober verschlechtert. Das signalisieren die Meldungen der Unternehmen zu ihrer aktuellen Geschäftslage und zu den Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Während die Unternehmen ihre Geschäftslage nur etwas schwächer bewerten als im September, haben ihre Erwartungen deutlich nachgegeben. Der IHK-Lageindikator sank im Oktober um 1,7 Punkte auf 2,3 Zähler. Der IHK-Erwartungsindikator fiel hingegen um 6,7 Punkte auf minus 15,5 Zähler. Damit bleibt eine breite wirtschaftliche Erholung weiter außer Sicht.

„Der deutliche Rückgang der Geschäftserwartungen ist ein ernstes Warnsignal. Schwache Aufträge und hohe Standortkosten belasten unsere Unternehmen, während die Bundesregierung bei den nötigen Reformen kaum über Ankündigungen hinauskommt. Gerade für unsere industriell geprägte Saarwirtschaft ist das gefährlich: Bleiben Investitionen aus, geraten Wertschöpfung und Arbeitsplätze unter Druck. Was an industriellen Strukturen einmal verloren geht, lässt sich nur schwer zurückholen. Deshalb muss die Politik jetzt liefern: Energie- und Arbeitskosten senken, Steuern und Abgaben reduzieren, Bürokratie abbauen und Genehmigungen beschleunigen. Entscheidend sind spürbare Entlastungen statt immer neuer Versprechen.“ So kommentierte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Thomé die Ergebnisse der Oktober-Umfrage der IHK Saarland, an der sich rund 300 Unternehmen mit gut 90.000 Beschäftigten beteiligten.

Insgesamt bewerten 24 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut oder sehr gut, 54 Prozent als befriedigend und 22 Prozent als schlecht. Zum Rückgang des Lageindikators trugen insbesondere schwächere Bewertungen aus der Stahlindustrie bei, die unter geringen Margen leidet. Bei den Dienstleistern entwickelte sich die Lage dagegen leicht positiv. Innerhalb der Industrie bleiben die Unterschiede erheblich. Gut laufen die Geschäfte in der keramischen Industrie. Überwiegend befriedigend ist die Lage im Fahrzeugbau, im Ernährungsgewerbe, in der Elektro-, Gummi- und Kunststoffindustrie, im Maschinen- und Anlagenbau, bei den Herstellern von Metallerzeugnissen, in der Medizintechnik sowie in der Bauwirtschaft. Die Stahlindustrie zeigt ein gemischtes Bild; Teile der Branche sowie die Gießereien berichten von einer angespannten Situation. Im Verarbeitenden Gewerbe sanken die kumulierten Umsätze von Januar bis August um 6,4 Prozent (Bund: +3,4 Prozent).

Im Dienstleistungsgewerbe melden 77 Prozent der Unternehmen gute oder befriedigende Geschäfte. Positiv bewerten insbesondere die IT-Unternehmen ihre Lage, die von der Nachfrage nach Digitalisierungs-, Automatisierungs- und IT-Sicherheitslösungen profitieren. Auch Teile der Finanzdienstleister berichten von guten Geschäften. Im Verkehrsgewerbe belasten dagegen hohe Personal- und Betriebskosten sowie fehlendes Fahrpersonal die Geschäfte. Im Handel sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe dämpft die schwache Konsumneigung die Stimmung.

Den Mittelstand entlasten

Nur drei Prozent der Betriebe rechnen in den kommenden sechs Monaten mit besseren Geschäften. 19 Prozent erwarten eine Verschlechterung, 78 Prozent eine gleichbleibende Entwicklung. Besonders deutlich sank die Zuversicht im Dienstleistungssektor. Auch in der Industrie gaben die Erwartungen nach. Dort fehlt weiterhin der Rückenwind durch neue Aufträge: Von Januar bis August lagen die kumulierten Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe um 5,3 Prozent unter dem bereits schwachen Vorjahresniveau.

„Die industrielle Zukunft entscheidet sich im Mittelstand. Zulieferer, Ausrüster und spezialisierte Hersteller halten ganze Wertschöpfungsketten zusammen. Damit sie in neue Produkte, moderne Anlagen und produktivere Prozesse investieren können, brauchen sie finanziellen Spielraum. Doch hohe Energie- und Arbeitskosten, Steuern und Bürokratie engen ihn immer weiter ein. Industriepolitik darf sich deshalb nicht in Förderprogrammen erschöpfen. Sie muss die Bedingungen für private Investitionen grundlegend verbessern. Entscheidend ist nicht, wie viele Förderbescheide verteilt werden, sondern ob Unternehmen aus eigener Überzeugung wieder in Deutschland investieren – weil sie hier wettbewerbsfähig produzieren und Geld verdienen können“, so Thomé.