Zwei Traditionen, ein Zukunftsentwurf
Die Burschenschaft Marchia Bonn zählt zu den ältesten farbentragenden Verbindungen am Hochschulort Bonn. Gegründet wurde sie 1854 zunächst als Akademischer Verein Münsterania, 1857 erfolgte die Umbenennung in Marchia in Anlehnung an die Grafschaft Mark. 1865 erklärte sich die Marchia zur Burschenschaft, 1885 trat sie dem Allgemeinen Deputierten-Convent — der späteren Deutschen Burschenschaft — bei. Nach Zerschlagung im Nationalsozialismus erfolgte 1949 die Wiedergründung; 1955 vereinigte sich die Bonner Marchia mit der Burschenschaft Marchia Köln. Seither ist sie fester Bestandteil des akademischen Lebens in Bonn — unter anderem bekannt durch den traditionellen Maibock-Anstich auf der Poppelsdorfer Allee.
Die Bonner Burschenschaft Germania entstand in ihrer heutigen Form im Sommer 1995 aus dem Zusammenschluss der Burschenschaften Neogermania Bonn, Sugambria Bonn und Cheruscia Jena. Ihre Wurzeln reichen damit über die 1883 gegründete Neogermania bis in die Tradition des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes (ADB) zurück, der von Konrad Küster ins Leben gerufen und später unter anderem von dem späteren Reichskanzler und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann geprägt wurde. Der ADB stand für die Pflege burschenschaftlicher Werte ohne parteipolitische Bindung, für Wissenschaftlichkeit, sportliche Ausbildung sowie ausdrücklich für die Ablehnung jeder rassischen Diskriminierung — Grundsätze, die bis heute prägend sind.
Neuer Sitz: Das Märkerhaus an der Poppelsdorfer Allee 80
Sitz der fusionierten Burschenschaft wird das alte Märkerhaus auf der Poppelsdorfer Allee 80 sein. Der Verkauf des bisherigen Germanenhauses ermöglicht es, das historische Haus umfassend zu sanieren und in einen baulich wie technisch zukunftsfähigen Zustand zu versetzen. Dass das Märkerhaus zum gemeinsamen Stammhaus wird, trägt zugleich der Tatsache Rechnung, dass die Marchia von beiden Bünden die ältere ist; ihr gebührt insoweit der Vorrang.
Im neuen Haus wird zur Wahrung der Traditionen der Germania ein eigenes Stresemann-Zimmer eingerichtet. Es soll als Erinnerungs- und Diskussionsort an die liberale, friedensorientierte Tradition des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes erinnern und zugleich zur Auseinandersetzung mit den politischen Herausforderungen der Gegenwart einladen.
Eckpunkte der Fusion
Farben: Die neue Burschenschaft wird die Farben Blau–Gold–Rot führen.
Name und Zirkel: Als Arbeitstitel zeichnet sich „Neue Bonner Burschenschaft“ ab. Damit soll bewusst signalisiert werden, dass es sich nicht um eine bloße Zusammenführung zweier Altbestände handelt, sondern um ein burschenschaftliches Projekt im modernen Sinne des 21. Jahrhunderts. Über den endgültigen Namen sowie den Zirkel entscheiden die laufenden Verhandlungen.
Tradition und Bänder: Sämtliche Mitglieder beider Bünde dürfen ihre bisherigen Bänder und Zirkel weiterführen. Die Identität der einzelnen Bundesbrüder bleibt damit ausdrücklich gewahrt.
Mensurfrage: Die neue Burschenschaft wird fakultativ schlagend sein. Die Mensur bleibt damit ein achtbarer Bestandteil burschenschaftlicher Tradition, jedoch ohne Verpflichtung.
ADB-Tradition: Die Tradition des Allgemeinen Deutschen Burschenbundes wird in einer dem 21. Jahrhundert zukunftsgemäßen Form fortgeführt.
Selbstverständnis: Die neue Burschenschaft versteht sich als liberal, weltoffen und tolerant. Sie steht für offene Debatte, demokratische Grundwerte und die Förderung verantwortungsbewusster Persönlichkeiten.
Aufnahme: Aufgenommen werden Studenten der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn sowie der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Damit trägt die neue Burschenschaft der gewachsenen Hochschullandschaft der Region Rechnung.
Ausblick
„Mit dem geplanten Zusammenschluss verbinden wir das Bewährte aus zwei Traditionen mit dem klaren Willen, Burschenschaft im 21. Jahrhundert neu zu denken — liberal, weltoffen und auf der Höhe gesellschaftlicher Debatten“, erklären die verhandelnden Vertreter beider Bünde übereinstimmend. Die weiteren Gespräche über Name, Zirkel sowie die Ausgestaltung des Bundeslebens werden in den kommenden Monaten geführt; über das Ergebnis wird gesondert informiert.
