Zwischen Damenmode und Leistungssport

Momentan schaut die Welt auf den Schanzentisch. Deutschland freut sich über das Olympia-Gold von Skispringer Philipp Raimund. Auch die Skisprunganzüge standen zuletzt international im Fokus. Während der Nordischen Ski-WM 2025 sorgten Manipulationen an den streng kontrollierten Skisprunganzügen der norwegischen Nationalmannschaft für Schlagzeilen. Doch wer produziert eigentlich Skisprunganzüge? Beispielsweise eine kleine Damenmaßschneiderei in Freiburg. Seit mehreren Jahren fertigt Schneidermeisterin Christiane Broghammer neben Damenmaßmode Skisprunganzüge.

Betritt man das kleine Damenmaßmode-Atelier in der Tennenbacher Straße in Freiburg sind zunächst schicke Kleider an Schaufensterpuppen sowie viele verschiedene Stoffe zu sehen. Was man weniger erwartet: Hier werden Skisprunganzüge gefertigt, die in Wettkämpfen auf der ganzen Welt verwendet werden.

„Skisprunganzüge unterscheiden sich gravierend von der normalen Maßanfertigung“, betont Christiane Broghammer, die ihr Geschäft seit 37 Jahren betreibt. „Während Corona fragte der Trainer eines Nachwuchskaders, ob wir so etwas machen könnten, da wir auf Maßanfertigungen spezialisiert sind.“ Nach einer umfassenden Einarbeitung in die neue Materie, konnte Broghammer ihr Angebot um diese Wettkampfanzüge erweitern. Dabei umfasst die Produktion eines Anzugs samt Vorarbeiten mit Schnitt und Anpassung sowie Fertigung rund fünf Stunden.

Hohe Anforderungen an den Skisprunganzug

„Ein Anzug muss funktionieren“, betont Broghammer, „wir müssen darauf achten, dass die Skispringer sich in der Anfahrtsposition gut fühlen, dass sie sich richtig für den Absprung ausbreiten können und dass die Fläche, die für den Luftwiderstand notwendig ist, erreicht wird.“ Der Stoff besteht aus zwei Schichten und einer Schaumstofflage dazwischen. Besonders wichtig dabei: der Faden. „Der Faden ist sehr stabil und haltbar, weil die Sprunganzüge natürlich einer großen Dehnung ausgesetzt wird und sie nicht reißen dürfen, was sonst zu einer Disqualifizierung führen könnte.“

Zu den individuellen Anforderungen der Skispringer kommen die Vorgaben der International Ski and Snowboard Federation (FIS) hinzu. Diese umfassen unter anderem Maße, Ergänzungen zum Anzug, Schrittlängen und Armlängen, die alle individuell und passend auf den Springer zugeschnitten sein müssen. Das erfordert zwingend handwerkliche Präzision und Maßarbeit – sonst drohen Strafen. Zuletzt wurden zwei Skispringer des norwegischen Nationalteams bei der Nordischen Skisprung-WM 2025 wegen nicht-regelkonformer Änderungen an ihren Skisprunganzügen disqualifiziert.

Gefragte Handwerkerin aus Leidenschaft

Derzeit fertigt Broghammer Anzüge für die Nachwuchskader aus Baden-Württemberg und der Schweiz. Dabei werden diese immer nach Bedarf für jede Saison angefragt: „Momentan arbeite ich an den Anzügen Junioren-Weltmeisterschaft der Nordischen Kombination im norwegischen Lillehammer“.

Broghammer fasziniert an ihrem Handwerk besonders die Vielfalt an Tätigkeiten und Materialien: „Sei es für die Damen schicke Tages- oder Abendgarderobe oder eben für die Springer Skisprunganzüge. Ich liebe diese Abwechslung bei meiner Arbeit.“

Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro. Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Be­ra­tungs- und Bil­dungs­zent­ren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.

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