Andrea Sironi spricht bei der CEO Leadership Series am TUM Campus Heilbronnüber Führung, Resilienz und Karriere

Der Präsident der Università Commerciale Luigi Bocconi und Aufsichtsratsvorsitzende von Assicurazioni Generali diskutierte mit den Studierenden des TUM Campus Heilbronn über seinen außergewöhnlichen Karriereweg, prägende Lebenserfahrungen und die Eigenschaften, die aus seiner Sicht gute Führung ausmachen.

Prof. Andrea Sironi, Präsident der Università Commerciale Luigi Bocconi und Aufsichtsratsvorsitzender von Assicurazioni Generali, war zu Gast bei der CEO Leadership Series des TUM Campus Heilbronn. Im Gespräch mit Chengguang Li, Professor für Strategic Management, sprach einer der bedeutendsten Wirtschaftsmanager Europas über seinen Weg von der Wissenschaft in internationale Führungspositionen, den prägenden Einfluss einer lebensbedrohlichen Erkrankung sowie die Werte, die sein Führungsverständnis bis heute bestimmen.

Viele der Studierenden im bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal dürften sich gefragt haben: Wie schafft es jemand, der zu den bedeutendsten Managern Europas zählt, so authentisch und bescheiden zu bleiben? Auch eine prägende persönliche Erfahrung in seiner Jugend hat Andrea Sironis Weltanschauung mitgeprägt. Eine schwere gesundheitliche Krise, auf die eine erfolgreiche Transplantation folgte, hat seinen Sinn für das Wesentliche gestärkt und seine Einstellung zum Leben und zur Führung nachhaltig geprägt.

Eine Lektion in Resilienz und Perspektive

Diese Erfahrung hat ihn nachhaltig geprägt. Sie hat seinen Sinn für das große Ganze gestärkt, seine Wertschätzung für Stabilität und enge Beziehungen vertieft und seine Fähigkeit gefördert, schwierige Momente mit Geduld und Gelassenheit zu meistern. Diese Eigenschaften – Belastbarkeit, Gelassenheit und Respekt gegenüber anderen – gehören auch zu denen, die er als wesentlich für eine Führungsrolle erachtet.

Er begann seine berufliche Laufbahn bei Chase Manhattan, wo er auch internationale Erfahrungen in London sammelte, bevor er später an die Universität zurückkehrte, die fortan seine langjährige berufliche Heimat werden sollte.

Vom Forscher zum Manager

Mit 27 Jahren schaffte er die Rückkehr an die Bocconi-Universität, die er längst als sein Zuhause bezeichnet. Voller Elan stürzte er sich in seine Forschung über Risikoregulierung, nahm mit der Zeit aber auch immer mehr Managementrollen an. So reiste er als Dean of International Affairs um die Welt und knüpfte Kontakte, um seine Universität im Ausland noch bekannter zu machen und ihre Internationalisierung voranzutreiben.

Von den Managementrollen bei Bocconi war es dann ein logischer nächster Schritt zur ersten Führungsposition außerhalb der Universität: Er wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Mailänder Börse berufen. Später gehörte er dem entsprechenden Gremium der London Stock Exchange an. Eines Tages bot ihm dann Assicurazioni Generali als eines der traditionsreichsten und bedeutendsten Versicherungsunternehmen der Welt den Aufsichtsratsvorsitz an. „Andrea, Generali ist Generali – das kannst du nicht ablehnen“, erinnerte sich Sironi an den Rat seines Mentors Mario Monti, damals Bocconi-Präsident. „Ich lerne dort viel und liebe diese Institution genauso wie Bocconi“, sagte er über Generali. Er lobte die diverse Zusammensetzung des Verwaltungsrats und prognostizierte, dass die Bedeutung von Versicherungen in Zeiten des Klimawandels weiter zunehme.

Aufmunternde Worte für die Studierenden

Fehlt noch ein Puzzlestück von Sironis Karriere: Wie wurde er zum Präsidenten seiner Universität? Wieder spielte Mario Monti die entscheidende Rolle: Er fragte ihn direkt an und schärfte ihm trotz seiner verantwortungsvollen Funktion bei Generali ein: „Bocconi kommt an erster Stelle.“ Einem Mario Monti widersetzt man sich nicht, und so folgte Sironi seinem Mentor als Präsident nach. Die Internationalisierung der Bocconi voranzutreiben und auch jungen Menschen aus ärmeren Familien ein Studium an der renommierten Universität zu ermöglichen, bezeichnete er als seine Herzensangelegenheiten.

Auch in der anschließenden Fragerunde mit den Studierenden zeigte sich Sironi als offenherziger Mensch, der eigene Schwächen zugab und für jeden aufmunternde Worte parat hatte. So berichtete er, nicht gut Nein sagen zu können, und ermutigte die TUM-Studierenden: „Mit Ihren kombinierten Fähigkeiten aus Technologie und Management bringen Sie genau das mit, was am Markt gefragt ist. Zerbrechen Sie sich nicht den Kopf darüber, was von Ihnen erwartet wird.“