Sachverständige genießen ein besonderes Vertrauen – bei Gerichten ebenso wie bei Auftraggebern, Betrieben und Verbrauchern. Bei der Handwerkskammer Freiburg wurden jüngst vier neue Sachverständige offiziell in ihr verantwortungsvolles Amt eingeführt.
„Sachverständige sind das Rückgrat der Qualitätssicherung im Handwerk“, betonte Kammerpräsident Christof Burger bei der Vereidigung. Öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige genießen ein besonderes Vertrauen – bei Gerichten ebenso wie bei Auftraggebern, Betrieben und Verbrauchern. Sie werden hinzugezogen, wenn es darum geht, technische Sachverhalte fachlich fundiert und unabhängig zu beurteilen. „Sie stehen für Objektivität, Fachwissen und Erfahrung – und damit für Vertrauen. Dieses Vertrauen ist gerade in strittigen Situationen von unschätzbarem Wert.“
Vier Handwerke, vier neue Experten
Im vergangenen Jahr hatten insgesamt vier Bewerber ihre anspruchsvollen Sachkundeprüfungen erfolgreich abgeschlossen und wurden nun öffentlich bestellt und vereidigt. Neben Jens Spengler, stellvertretender Obermeister der Dachdecker-Innung Freiburg und Inhaber von Spengler Bedachungen in Haslach und Patrick Schoner, Inhaber des Malerteams Schoner aus Teningen für das Maler- und Lackierer-Handwerk, sind dies Stephan Bickel, Technischer Oberlehrer an der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule Freiburg für das Steinmetz- und Steinbildhauer-Handwerk und Jakob Schätzle, der bei der Zimmerei Hansmann in Steinach im Kinzigtal beschäftigt ist, für das Zimmerer-Handwerk.
„Verantwortung für das gesamte Handwerk übernehmen“
Exemplarisch für die Motivation vieler Sachverständiger steht der frisch vereidigte Maler- und Lackierermeister Patrick Schoner. „Mich hat vor allem der Gedanke motiviert, meine Berufserfahrung und mein Fachwissen nicht nur im eigenen Betrieb, sondern für das gesamte Handwerk einzusetzen“, erklärt er. „Als Sachverständiger kann ich aktiv dazu beitragen, Qualität und fachliche Standards zu sichern – etwa bei der Klärung von Schadensursachen oder Materialfragen.“
Diesen Aspekt hebt auch Jens Spengler hervor:„Es gibt viele gute Handwerker, denen ich mit meiner Tätigkeit helfen kann und will. Gleichzeitig muss die Qualität des Handwerks aufrechterhalten und im Zweifelsfall unabhängig geprüft werden.“Zugleich stehe für ihn der kollegiale Gedanke im Mittelpunkt.
Stephan Bickel ergänzt: „Ich habe den Wunsch, das über Jahre erworbene, umfangreiche Fachwissen einzusetzen, um objektiv zu bewerten. Als neutraler Experte schaffe ich Klarheit und kann strittige Sachverhalte aufklären.“
Anspruchsvolle Aufgabe zwischen Handwerk und Recht
Die neue Aufgabe bringt dabei eine besondere Verantwortung mit sich. „Gutachten sind häufig die Grundlage gerichtlicher Entscheidungen“, so Schoner. „Das erfordert neben Fachwissen vor allem Objektivität, Sorgfalt und Neutralität. Gleichzeitig ist es eine anspruchsvolle Tätigkeit an der Schnittstelle von Handwerk, Technik und Recht.“
Auch Jens Spengler betont: „Als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger entscheidet man Dinge, die oft schon lange einer Entscheidung bedürfen – und hilft dabei, Prozesse voranzubringen“. Für Beide bieten ihre Erfahrungen aus ihrer langjährigen Selbstständigkeit als Unternehmer ein solides Fundament für ihre zukünftige Tätigkeit: „Wir wissen, was handwerklich üblich und technisch machbar ist – und wo Abweichungen oder Schäden ihre Ursache haben.“
„Ich kann Sachverhalte fachgerecht beurteilen und Schäden neutral und unvoreingenommen analysieren“, so Stephan Bickel. Die öffentliche Bestellung verstehe er dabei ausdrücklich als „neue Herausforderung und Erweiterung des eigenen handwerklichen Portfolios.“
Engagement mit Signalwirkung
Kammerpräsident Burger unterstrich die Bedeutung dieser Aufgabe: „Wer sich als Sachverständiger zur Verfügung stellt, übernimmt Verantwortung für das gesamte Handwerk. Diese Kolleginnen und Kollegen investieren Zeit, Energie und Know-how – zum Nutzen der Betriebe, der Kunden und der Rechtssicherheit.“ Mit der Vereidigung unterstreiche die Handwerkskammer Freiburg einmal mehr die wichtige Rolle öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger: als unabhängige Experten, als Mittler in Konfliktfällen und als Garanten für handwerkliche Qualität auf höchstem Niveau.
Die Handwerkskammer Freiburg ist Dienstleister und Ansprechpartner für fast 16.000 Handwerksbetriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 6.500 Auszubildenden in den Landkreisen Ortenau, Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald, Lörrach sowie dem Stadtkreis Freiburg. Die Mitgliedsbetriebe in Südbaden generierten im Jahr 2023 einen Umsatz von mehr als 10 Milliarden Euro.
Neben den staatlichen Pflichtaufgaben in Ausbildung, Prüfungswesen und Handwerksrolle übernimmt die Handwerkskammer Freiburg zahlreiche weitere Aufgaben. Sie unterhält moderne Beratungs- und Bildungszentren, in denen sie ihren Mitgliedern ein breites Spektrum an Service bietet: berufliche Bildungsangebote, Nachwuchswerbung, Rechtsberatung sowie Beratung in den Bereichen „Betriebswirtschaft“, „Betriebsübergabe und – übernahme“, „Innovation“, „Umwelt“, „Außenwirtschaft“, „Fachkräftesicherung“, „Organisationsentwicklung“ und „Digitalisierung“. Daneben unterstützt sie Existenzgründer und fördert das Handwerk vor Ort.
