Lesen im digitalen Zeitalter: MENTOR – Die Leselernhelfer geht neue Wege/ Digitales Lesen und Bücher stehen nicht in Konkurrenz (FOTO)

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Eine schlecht ausgebildete Lesefähigkeit hat für jedes Kind
dramatische Folgen, die meisten machen keinen Schulabschluss und
erlernen keinen Beruf. Ein Fünftel der Zehnjährigen in Deutschland
kann nicht sinnerfassend lesen, so die aktuellste IGLU-Studie (Dez.
2017). Um diesen Kindern eine Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft
zu geben und die Folgen des Analphabetismus für die gesamte
Gesellschaft zu vermeiden, engagieren sich über 11.500 Lesementoren
unter dem Dach des MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverbands e.V.
Bei der 10. Nationalen Fachtagung des Verbands in Hamburg
diskutierten sie auch über das Verhältnis zwischen digitalen Medien
und gedruckten Texten: MENTOR sieht das Lesen mit digitalen Medien
als sinnvolle Ergänzung. Sie verdrängen Bücher nicht, sondern nehmen
einen eigenen Platz im Leseangebot ein. Auch deshalb startet der
Bundesverband ein neues Programm für die Leseförderung mit Lese-Apps
und der Option, dass die Kinder und Jugendlichen den Lesementoren
ihren selbstverständlichen Umgang mit digitalen Medien vermitteln.
Dies ist eine innovative Erweiterung des Mentorings, auf dem das
Konzept von MENTOR – Die Leselernhelfer basiert. Außerdem unterstrich
der Journalist und Autor Ulrich Wickert bei der Tagung die Rolle des
Lesens für die Persönlichkeitsentwicklung.

Das Lesen, das Vorlesen und das Entdecken von Büchern spielen eine
große Rolle für Kinder und Jugendliche: “Das Lesen fördert bei jungen
Menschen die Ausbildung von Empathie und Fantasie. Und die Fantasie
ist eigentlich noch wichtiger als das Wissen, das man in Büchern
findet. Denn sie hilft, dieses Wissen kreativ einzusetzen und sich
eine Zukunft vorzustellen”, betonte Ulrich Wickert, Journalist und
Autor, er führte weiter aus: “Lesen ist der erste Ansatz zum frei
Denken und die Landesregierungen müssen endlich lernen, jedem Kind
die Chance zu geben, Lesen zu lernen. Lesen ist die Voraussetzung für
ein selbstbestimmtes Leben und daher unterstütze ich die
Leseförderung und alle, die sich dafür engagieren, dass Kinder und
Jugendliche richtig Lesen lernen.”

So auch die Lesementoren, die eine vertrauensvolle Beziehung zu
ihren Lesekindern aufbauen und sie individuell und langfristig in
einer 1:1-Situation fördern. Dieses Mentoring mit dem Ansatz ”Bildung
durch Bindung” ist die Basis für ihre Leseförderung und bildete einen
Schwerpunkt der Fachtagung. Bernd Schüler, Gründer von biffy Berlin –
Big Friends for Youngsters e.V., verdeutlichte die Möglichkeiten und
stellte den Forschungsstand dar.

Ein weiteres Thema war der Einfluss der digitalen Medien auf die
Zukunft des Lesens von jungen Menschen. Dazu erläuterte Margret
Schaaf, 1. Vorsitzende, MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband
e.V.: “Das Lesen mit digitalen Medien wird die Bücher und gedruckten
Texte nicht verdrängen. Durch die Digitalisierung findet eine
Neuorientierung statt. Dabei findet jedes Lese-Medium seinen Platz,
die Leser müssen nur lernen, die unterschiedlichen Medien je nach
Sinn und Zweck auswählen. Wer z.B. einen langen Text konzentriert
lesen möchte, kann das besser in gedruckter Form. Die jungen Menschen
müssen die Vielfalt der Lese-Medien kennenlernen und sinnvoll für
ihre Zwecke nutzen. An erster Stelle steht aber für uns die
Vermittlung von Lesekompetenz: Nur wer richtig lesen kann, den Sinn
aller Texte erfasst, der kann sich eine Meinung bilden. Gelesenes zu
verstehen ist die Grundlage für den Umgang mit allen Text-Medien.”

Der MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband e.V. nutzt künftig
Tablets mit Lese-Apps und geht damit einen neuen Weg in der
Leseförderung: In den wöchentlichen Lesestunden, zu denen sich ein
Schüler mit einem Lesementor trifft, fördert der Mentor die
Lesekompetenz. Gleichzeitig unterstützt das Lesekind den – meist
älteren – Mentor mit seinem Wissen über Hard- und Software. In dieser
“Reverse Mentoring-Situation”, erlebt der junge Mensch, dass er
Fähigkeiten hat, die er an seinen Mentor weitergeben kann und das
stärkt sein Selbstwertgefühl. Dieses Projekt mit dem Titel “MENTOR –
Die Leselernhelfer: Digitaler Treffpunkt der Generationen” wird vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Pressekontakt:
MENTOR – Die Leselernhelfer Bundesverband e.V.
Agnes Gorny
Grafenwerthstr. 92, 50937 Köln
Tel. 0221 16844745
E-Mail: gorny@mentor-bundesverband.de

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