Umfrage zeigt: Jugendliche stellen Chancengleichheit im Bildungssystems infrage / Kultureller Hintergrund der Eltern wird als Einflussfaktor wichtiger

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Jugendliche zweifeln weiterhin an der
Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem. Zu diesem Ergebnis kam
eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Stifterverbandes, der
SOS-Kinderdörfer weltweit und der Deutschen Kinder- und
Jugendstiftung (DKJS) im Vorfeld des Tages der Bildung. Der
Aktionstag am 8. Dezember will in diesem Jahr Aufmerksamkeit auf das
vierte UN-Nachhaltigkeitsziel richten, im Rahmen dessen die Vereinten
Nationen inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten
und das lebenslange Lernen für alle fördern möchten.

Rund die Hälfte der befragten 14- bis 21-Jährigen glauben nicht an
Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem (47 Prozent). Die
Umfragewerte haben sich in den letzten Jahren jedoch positiv
entwickelt. So sahen 2016 insgesamt 52 Prozent keine gleichen
Bildungschancen. Vor drei Jahren zweifelten sogar noch 55 Prozent an
der Chancengleichheit in Deutschland.

Die wichtigsten Einflussfaktoren auf die Bildungschancen sind für
die Jugendlichen die Qualität der Schule und Lehrer (91 Prozent), die
eigene Motivation (90 Prozent) und die Zuwendung und Unterstützung
der Eltern (88 Prozent). Dass der kulturelle Hintergrund der
Erziehungsberechtigten einen großen Einfluss auf die Bildungschancen
der Kinder hat, glauben immerhin 49 Prozent. Das sind 18
Prozentpunkte mehr als noch im Jahr 2016. “Es ist bedenklich, dass
nach Meinung der jungen Menschen der kulturelle Hintergrund der
Eltern wieder einen größeren Einfluss hat. Umso wichtiger ist es,
dass wir uns gemeinsam mit unseren Partnern weiterhin für
Chancengleichheit einsetzen.”, sagt Prof. Dr. Andreas Schlüter,
Generalsekretär des Stifterverbandes.

Gut ausgebildete Lehrkräfte für hochwertige Bildung –
Bildungssystem schlecht auf Schüler mit Beeinträchtigungen
vorbereitet

Damit eine hochwertige Bildung in Deutschland erreicht werden
kann, sind laut den Befragten speziell für den Beruf ausgebildete
Lehrkräfte besonders wichtig (94 Prozent). Auch die Vermittlung von
Problemlösungskompetenzen (94 Prozent), sozialen Kompetenzen (93
Prozent) und die umfangreiche Unterstützung und Zuwendung beim Lernen
durch die Lehrkräfte (91 Prozent) sind relevant. Dagegen finden mehr
als die Hälfte der Jugendlichen, dass mit digitalen Medien wie
Smartboards oder Tablets ausgestattete Klassenräume unwichtig für
eine hochwertige Bildung sind (55 Prozent). “Die Antwort der
Jugendlichen zeigt: Die politischen Diskussionen um die technische
Ausstattung von Klassenzimmern greift viel zu kurz. Was nützt den
Schülern ein Tablet, wenn digitales Lernen immer noch nicht
selbstverständlicher, fächerübergreifender Teil ihres Unterrichts
ist? Dafür braucht es mutige Bildungskonzepte und gut ausgebildete
Lehrkräfte.”, sagt Dr. Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen
Kinder- und Jugendstiftung.

Deutschland hat sich im Rahmen der UN-Nachhaltigkeitsziele
außerdem dazu verpflichtet, ein inklusives Bildungssystem zu
schaffen, in dem Schüler mit und ohne Beeinträchtigung gemeinsam
unterrichtet werden. Dass die Schulen gut auf Kinder mit geistiger
Behinderung vorbereitet sind, glauben jedoch weniger als ein Viertel
der Befragten (22 Prozent). Kritisch wird auch der gemeinsame
Unterricht mit Schülern gesehen, die unter Aufmerksamkeits- bzw.
Konzentrationsproblemen leiden (33 Prozent) oder über mangelnde
Kenntnisse der deutschen Sprache verfügen (33 Prozent). Häufiger
glauben die 14- bis 21-Jährigen an die Inklusion von Kindern aus
sozial schwacher Herkunft (59 Prozent), Schülern mit einer
Lernschwäche (59 Prozent) oder jungen Menschen mit einer körperlichen
Behinderung (55 Prozent).

Lebenslanges Lernen wird wichtiger – Selbstorganisation,
Höflichkeit und Toleranz relevant für berufliche Zukunft

Die große Mehrheit der Befragten sind darüber hinaus der Ansicht,
dass das lebenslange Lernen wichtiger werden wird (71 Prozent). Die
wichtigsten Kenntnisse und Fähigkeiten für die persönliche berufliche
Zukunft sind dabei Selbstorganisation (97 Prozent), Höflichkeit und
Toleranz gegenüber anderen Menschen (96 Prozent), Kenntnisse der
deutschen Sprache (93 Prozent) und von Fremdsprachen (87 Prozent).
Auslandserfahrungen (47 Prozent) oder Kenntnisse in Kunst, Musik und
Literatur (30 Prozent) sind für die jungen Erwachsenen dagegen
weniger relevant.

Dass sich Deutschland auch weltweit dafür einsetzt, dass
Bildungssysteme inklusiv, chancengerecht und hochwertig werden, hält
die große Mehrheit für wichtig (83 Prozent). Dr. Wilfried Vyslozil,
Vorstandsvorsitzender der SOS-Kinderdörfer weltweit: “Die
Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland geben einen
wichtigen Auftrag an uns. Die Bildungschancen müssen weltweit
verbessert werden, vor allem dort, wo bittere Armut herrscht und
Bildung eher marginal stattfindet. Mit guter Bildung wird der
Generationenfluch der Armut gebrochen und eine nachhaltige
Verbesserung erreicht.”

Über die Initiatoren der Umfrage:

Der Stifterverband, die SOS-Kinderdörfer weltweit und die Deutsche
Kinder- und Jugendstiftung haben sich zusammengeschlossen, um
gemeinsam zu mehr Bildungschancen beizutragen und aktiv Verantwortung
dafür zu übernehmen. Dazu initiieren sie unter anderem den Tag der
Bildung, der am 8. Dezember 2018 zum vierten Mal stattfindet.
Anlässlich dieses Aktionstages haben die Organisationen die
Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben, um die Perspektive von Jugendlichen
und jungen Erwachsenen abzufragen und in den Diskurs einzubringen.
Weitere Informationen zum Tag der Bildung, zu Veranstaltungen,
Initiatoren und Unterstützern sind unter www.tag-der-bildung.de
verfügbar.

Über die Umfrage:

Die Umfrage wurde von der Forsa Politik- und Sozialforschung GmbH
im Oktober 2018 durchgeführt und stellt eine repräsentative Befragung
von 1.000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 14 bis 21
Jahren dar. Neben den genannten Ergebnissen enthält sie außerdem
Meinungen zu Verbesserungsvorschlägen zur Chancengleichheit,
unverzichtbaren Elementen eines hochwertigen Bildungssystems oder der
Relevanz von außerschulischen Bildungsangeboten. Der ausführliche
Ergebnisbericht kann über das Pressebüro angefordert werden. Zur
Umfrage diskutiert werden soll unter dem Hashtag #TagderBildung.

Pressekontakt:
Pressebüro Tag der Bildung
c/o fischerAppelt, relations GmbH
tag-der-bildung@fischerappelt.de
0221/569-38-113

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