UNI.DE: Personalmanager als schnüffelnde Ermittler im Netz? Eine studentische Studie spricht dagegen

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Wer sich im Internet und in sozialen Netzwerken tummelt, hat sich insgeheim schon längst von seiner Privatsphäre verabschiedet. Es gibt zwar Mechanismen, um seine Privatsphäre zu schützen, diese werden allerdings nicht immer in Anspruch genommen oder sind für den Otto-Normal-Verbraucher zu kompliziert. Doch User-Profile auf Facebook, XING und anderen Netzwerken sind für Personalentscheider offenbar von geringerer Bedeutung als angenommen. Zum einen kann man dort etwas vorgeben, was man gar nicht ist, zum anderen fehlen die Zeit sowie das notwendige Personal für eine solche Recherche. Auch die Regierung hat dazu aufgerufen, bei Bewerbungen nicht auf soziale Netzwerke wie Facebook oder XING zurückzugreifen.

Studenten der Kommunikationswissenschaft der Universität Erfurt haben sich die Frage gestellt, ob dem wirklich so ist, und führten in Kooperation mit dem Jobportal Monster.de eine Studie durch. In Auftrag gegeben wurde die Studie von der Universität Erfurt im Rahmen der Projektstudienphase BA-Kommunikationswissenschaft. Betreut haben das Studenten-Projekt Professor Michael Giesecke sowie Heiner Stahl, wissenschaftlicher Mitarbeiter, vom Lehrstuhl für Vergleichende Literaturwissenschaft, Kultur- und Medientheorie und Mediengeschichte an der Universität Erfurt. Das Ergebnis der Studenten scheint die oben genannte These zu bestätigen.

Primäres Ziel der Studie waren Recruiting-Veranstaltungen und Job-Messen. Hier präsentieren sich Firmen und werben studentischen Nachwuchs an. Erste Kontakte mit Personal und den Führungskräften von morgen werden geknüpft. Die Studenten haben für ihre Studie diese Veranstaltungen besucht und Personalentscheider über die Nutzung von XING, Facebook und anderen sozialen Netzwerken befragt. Sie wollten wissen, ob soziale Netzwerke für Personalentscheider ein Kriterium bei der Auswahl von Bewerbern sind und welche Rolle das Internet dabei generell spielt.

Ergebnis der Befragung: Personalentscheider nutzen das Internet in der Regel nicht für eine zusätzliche Recherche. Aber auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Die Untersuchung der Studenten zeigt, dass Personalentscheider in der Vorauswahl immer noch auf klassische Bewerbungen fixiert sind. Geht es aber in Richtung Endauswahl, nutzen einige Firmen durchaus das Internet für eine weiterführende Recherche ihrer Bewerber. Somit kann eine gute Präsentation in sozialen Netzwerken nicht schaden. Während in den USA ein Check via Internet schon Alltag ist, wächst auch hierzulande der Einfluss des digitalen Rekrutierungsprozesses. Generell sollte man im Internet, ebenso wie im richtigen Leben, einmal geschäftlich darstellen und einmal privat. Es empfiehlt sich, Überschneidungen zu vermeiden und Privatsphäre-Einstellungen zu beachten. Schafft man es ins Vorstellungsgespräch, ist letztlich immer noch der persönliche Eindruck Trumpf.

Die vollständige Studie “Der Einfluss sozialer Netzwerkseiten auf den Bewerbungs- und Rekrutierungsprozess” kann bei Monster Worldwide Deutschland unter studien@monster.de angefordert werden.